Protektionismus macht die Welt nicht reicher

Investmentfonds von Russell Silberston und John Stopford

Donald Trump in den USA und Theresa May in Großbritannien haben eine lockerere Fiskalpolitik angekündigt. Kann das helfen? Russell Silberston und John Stopford, Fondsmanager bei Investec Asset Management, im Marktkommentar zu den Grenzen der Geldpolitik und den Auswirkungen auf die Geldanlage.

Russell Silberston und John Stopford über Geldpolitik, Trump, May und Geldanlagen

Der fiskalpolitische Stimulus muss die Produktivität erhöhen, so die Fondsmanager Russell Silberston und John Stopford. Bild: Investec Asset Management

Andrew Haldane, Chefökonom der Bank of England, stellte kürzlich fest, dass sich die Zinsen auf einem 5.000-Jahrestief befinden. Obwohl es schwierig ist, diese drastische Behauptung zu beweisen, ist unstrittig, dass die Geldpolitik außerordentliche Anstrengungen unternommen hat, um den langen Schatten der globalen Finanzkrise abzuschütteln. Der Mangel an wirtschaftlicher Dynamik ist so ausgeprägt, dass der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers das Konzept der säkularen Stagnation aus der Depressionszeit der 1930er-Jahre aufleben ließ. Da die Geldpolitik an ihre Grenzen gestoßen ist, stellt sich jetzt die Frage, inwieweit nun die Fiskalpolitik zur Unterstützung der Volkswirtschaften in die Bresche springen muss. Diese Debatte wurde durch die Wahl Donald Trumps und sein Versprechen niedrigerer Steuern sowie die Abkehr vom Ziel eines ausgeglichenen britischen Haushalts unter Theresa May nach dem Brexit-Votum unlängst befeuert.

Die Finanzmärkte sind daher auf eine Reflation fokussiert, die von einer Spendierfreudigkeit der Regierung getrieben wird. Die Aktienmärkte haben mit einer Rally applaudiert und die Anleihekurse sind eingeknickt.

Aber kann lockerere Fiskalpolitik wirklich helfen und welche Auswirkungen hat das auf die Geldanlage? Natürlich lautet die Antwort, „es kommt darauf an“. Wenn ungezügelte Staatsausgaben ein wirtschaftliches Allheilmittel wären, würde Japan mit seiner beträchtlichen Staatsverschuldung, die 2,5-mal so groß wie seine Wirtschaft ist, ein robustes Wachstum erleben. Vielmehr wird das richtige Rezept für die Fiskalpolitik von der Interpretation nicht nur der Symptome abhängen, sondern auch der Ursachen des zugrunde liegenden Zustandes, nämlich der säkularen Stagnation. Glücklicherweise sind diese wohl bekannt – eine alternde Bevölkerung, ein Rückgang der Produktivität und ein Ungleichgewicht zwischen angestrebtem Spar- und Investitionsniveau.

Die Fiskalpolitik kann wenig gegen eine alternde Bevölkerung ausrichten. Allerdings kann die Regierungspolitik eine stärkere Erwerbsbeteiligung fördern und junge Einwanderer mit offenen Armen empfangen. Leider spaltet sich die politische Meinung inzwischen eher in 'offene' oder 'geschlossene' Ideologien, als in die alten Kategorien 'links' und 'rechts'. Gerade in Großbritannien und den USA, die sich beide scheinbar mehr abgeschottet haben, gibt es kaum Aussicht, dass der demographische Gegenwind durch mehr Einwanderung gemildert werden kann.

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