PIB: Verwirrung statt Vergleichbarkeit

Berater Top News von Matthias Hundt

Seit Jahresbeginn müssen Vermittler ihrer Riester-Beratung ein Produktinformationsblatt beifügen. Doch Ziel und Praxis klaffen beim PIB weit auseinander. Ein Kommentar von Matthias Hundt, Chefredakteur der procontra

In der Praxis liefert das PIB noch nicht die gewünschte Erleichterung; Foto:Fotolia_deagreez

PIB, PIB, Hurra! – rief das Bundesfinanzministerium als es das Produktinformationsblatt für Riester und Basisrentenverträge einführte. Pro Transparenz und Vergleichbarkeit hieß die Mission und man attestierte sich zugleich die erfolgreiche Zielerreichung. Obendrauf gab es – quasi als operativen verlängerten Arm – die Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PiA), die die Produkte in „leicht verständlicher Form“ einer der fünf Chancen-Risiko-Klassen zuordnen und die Berechnung der Effektivkosten vorgeben soll. Das Ergebnis, das seit 2017 verpflichtend beizulegen ist, kann weder Vermittler, noch Gesellschaften und zu allerletzt die „Zielperson“ – den Verbraucher zufriedenstellen.

Makler berichten über die Klassifizierung gleicher Riester-Rentenversicherungen mit identischem Wertsicherungsfonds in unterschiedliche CR-Klassen. Fondsgesellschaften über „große Unvollkommenheit“, da der Gesetzgeber die Angabe von Maximalkosten fordert und gleichzeitig wesentliche Faktoren für die Kostenberechnung nicht festgelegt. In der Folge steht bei einem Riester-Fondssparplan der DWS unter Verwaltungskosten dann die nichtssagende Spanne von 0 bis 100 Prozent des Kapitals. Alles andere wäre verbindlich nicht möglich. Der Makler darf diesen potenziellen „Totalverlust“ dann dem Kunden erklären, bei einem Produkt, das die PiA zuvor als „sicherheitsorientierte Anlage“ einstufte.

„Für einen Kunden, der nicht aus einem Aktuariat stammt, ist ein Vergleich in allen Punkten schwer.“

Die PiA gewährt aufgrund des Steuergeheimnisses keine tieferen Einblicke in die CR-Klassifizierung einzelner Produkte. Zugutehalten muss man ihr, dass sie eine Vielzahl verschiedener Parameter und Verfahren der Gesellschaften berücksichtigen muss. Genau das machte einen Vergleich bislang so schwierig bis unmöglich. Doch wenn diese historische Intransparenz lediglich in eine wenig nachvollziehbare Klassifizierung übersetzt wird, dann sei die Frage erlaubt, ob Berater und Kunden die richtigen Schlüsse aus dem PIB ziehen.

Selbst der GDV räumt ein, dass ein Effektivkostenvergleich bei Produkten unterschiedlicher CR-Klassen nicht möglich ist. Die Empfehlung sich zunächst auf einen Produkttypen festzulegen, bevor man den Kostenvergleich angeht, ist schlichtweg praxisfern, wenn gleiche Produkttypen in unterschiedlichen CR-Klassen landen. Der traurige Höhepunkt der PIB-Recherchen war die Aussage aus einem Versicherungsunternehmen: „Für einen Kunden, der nicht aus einem Aktuariat stammt, ist ein Vergleich in allen Punkten schwer.“ Angesichts des Zieles „leichter Verständlichkeit“ ein vernichtendes Urteil.

procontra sprach mit der Bundesregierung, der PiA, beteiligten Gesellschaften und betroffenen Maklern über das PIB in der Praxis. Alle Statements dazu finden Sie in der kommenden Printausgabe der procontra, die am 24. Februar erhältlich sein wird.

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