Hausratversicherung: Steigt oder sinkt die Nachfrage?

Versicherungen von Florian Burghardt

Laut einer neuen Studie haben immer weniger Menschen eine Hausratpolice. Besonders junge Leute fordern neue, flexible Produkte. Der GDV sieht das anders.

Laut Yougov geht die Nachfrage nach Hausratpolicen zurück. Der GDV sieht das anders.

Laut Yougov geht die Nachfrage nach Hausratpolicen zurück. Der GDV sieht das anders. Quelle: Ricinator/Pixabay

Der Bestand an Hausratversicherungen in Deutschland ist stark rückläufig. Während im Jahr 2006 noch 79 Prozent der Menschen hausratversichert waren, sind es zehn Jahre später nur noch 65 Prozent.

Das geht zumindest aus dem aktuellen „Kundenmonitor Assekuranz“ des Marktforschungsinstituts Yougov hervor. Dafür wurden zwischen April und Oktober 2016 insgesamt 10.146 Personen befragt – der Großteil von ihnen (9.718) ist Entscheider oder Mitentscheider in Versicherungsangelegenheiten.

Als besonders „hausratverdrossen“ hat sich dabei die Zielgruppe der bis 30-Jährigen hervorgetan. Nur 35 Prozent von ihnen verfügen über eine entsprechende Police. Die Altersgruppen der 31- bis 55-Jährigen (68 Prozent) und der über 55-Jährigen (78 Prozent) heben den Durchschnitt deutlich an.

Unflexible Produkte

Dominik Groenen, der noch in diesem Jahr mit seinem Digitalversicherer Flypper die Kunden der Generation Y überzeugen will, hat auf procontra-Nachfrage die Sicht von jungen Menschen auf die Hausratversicherung analysiert.

„Ein Grund dafür, warum junge Menschen weniger an einer klassischen Hausratversicherung interessiert sind ist, dass sie häufig noch in Wohngemeinschaften leben und dort nur ein Zimmer mit geringen Werten haben. Viele denken sich: Dafür brauche ich keine Hausratversicherung“, so Groenen.

Er sieht die Schuld an einem geringeren Absatz in dieser Alterszielgruppe aber auch bei den Produktgebern, die zu wenig Flexibilität an den Tag legen. „Das Spartendenken im Komposit-Bereich ist veraltet. Anstatt ihrer geringen Werte zuhause wollen junge Leute lieber ihre Lieblingsstücke wie den Laptop oder das teure Handy schützen. Diese Lieblingsstücke haben sie auch unterwegs dabei. Deswegen benötigen sie dafür anderen Versicherungsschutz“, erklärt Groenen, der unter anderem die European Annex Insurance als Anbieter solcher Nischenversicherungen mitgegründet hat.

GDV entkräftet Ergebnisse der Yougov-Studie

Den – unabhängig vom Alter der Versicherten – generellen Rückgang an Hausratpolicen kann der GDV allerdings nicht bestätigen. Entgegen dem Trend in der Yougov-Studie ist auf Zehn-Jahres-Sicht (2005 bis 2015) sogar ein Anstieg zu verzeichnen.

„Im Jahr 2005 hatten wir ein Deutschland 24,8 Millionen Hausratverträge, in 2015 lag deren Anzahl dann bei 25,8 Millionen“, teilte Kathrin Jarosch vom GDV auf procontra-Nachfrage mit.

Wie aus dem vom GDV herausgegebenen Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2016 hervorgeht, stieg die Gesamtbeitragssumme in der Hausratversicherung in den Jahren 2005 bis 2015 von 2,555 Milliarden Euro auf 2,919 Milliarden an. Das sind im Schnitt 1,43 Prozent jährlich.

Angestiegen sind in diesem Zeitraum aber auch die ausbezahlten Leistungen – im jährlichen Durchschnitt sogar um 1,77 Prozent – und zwar von 1,175 Milliarden Euro auf 1,394 Milliarden. 

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