"Beim Nebeneinander von GKV und PKV kann es nicht bleiben"

Versicherungen von Martin Thaler

In der Diskussion um die Einführung einer Bürgerversicherung hat sich nun Ingo Kailuweit, Chef der Kaufmännischen Krankenversicherung, für eine Veränderung des bestehenden Systems ausgesprochen. Was ihm vorschwebt, lesen Sie hier.

Das Nebeneinander von PKV und GKV hält KKH-Chef Ingo Kailuweit für nicht zukunftsträchtig.

Das Nebeneinander von PKV und GKV hält KKH-Chef Ingo Kailuweit für nicht zukunftsträchtig. Foto: Alexas_Fotos - Pixabay.de

Das Jahr 2017 steht aufgrund der kommenden Bundestagswahl nicht nur unter dem Thema Rente, auch die Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems wird wohl weiterhin die politischen und öffentlichen Debatten bestimmen.  

 Nachdem Anfang des Jahres bereits eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hohe Wellen schlug, meldete sich nun Ingo Kailuweit, seinerseits Chef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel zu Wort. Auch hier war das Thema: die Zukunft der privaten Krankenversicherung bzw. die Einführung einer Bürgerversicherung.  

„Beim bisherigen Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung kann es nicht bleiben“, sprach sich Kailuweit gegen die Beibehaltung des zweigeteilten Systems aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung aus. Kailuweit setze sich stattdessen für eine Form der Bürgerversicherung ein, jedoch eine weniger radikale Form.  

Nur stufenweise Umsetzung möglich

Denn dass die Privatkassen geöffnet werden und alle Versicherten in die gesetzliche Krankenkasse wechseln könnte, bewertet der KKH-Chef, der im September dieses Jahres in den Ruhestand gehen wird, als problematisch. „Dann kämen erst mal vor allem solche, für die das Verhältnis zwischen Beitrag und Leistung in der Privaten Krankenversicherung nicht mehr stimmt. Sie würden hohe Ausgaben verursachen, die nicht durch Beiträge gedeckt wären.“  

Stattdessen spricht sich Kailuweit für ein System aus, bei dem zwar alle gesetzlich versichert seien, jedoch weiterhin bei den privaten Kassen Leistungen erwerben könnten, beispielsweise Chefarzt-Behandlungen. Dies umzusetzen, ginge jedoch nur stufenweise, so der KKH-Chef.  

Ein weiteres Thema des Interviews waren die steigenden Zusatzbeiträge der Versicherten. Die einseitige Belastung der Arbeitnehmer, seit Januar 2015 gesetzlich verankert, sei nicht nur unfair, sondern auch nicht dienlich für die Arbeitgeber, argumentiert Kailuweit. Diese hätten sich die Möglichkeit genommen, Einfluss auf die Kostenentwicklung zu nehmen. „Wenn Sie sich nicht ausgeklinkt hätten, hätte es der Gesundheitsminister mit manchen Zusatzausgaben deutlich schwerer gehabt“,  so Kailuweit, der sich für eine stärkere Einbindung der Arbeitgeber aussprach. Eine vollständige Parität, wie von einigen Politikern angedacht, forderte Kailuweit allerdings nicht. 

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