Zinszusatzreserve: „Interessen der Verbraucher stärker berücksichtigen“

Berater LV-Check von Martin Thaler

Die Zinszusatzreserve hat einen neuen Rekordwert erreicht. Allein 2016 legten die Lebensversicherer 12 Milliarden Euro in den Sicherheitspuffer zurück, wie neue Zahlen der Bundesregierung ergeben.

Übt Kritik an der Bundesregierung: Die Linken-Bundestagsabgeordnete Susanna Karawanskij.

Übt Kritik an der Bundesregierung: Die Linken-Bundestagsabgeordnete Susanna Karawanskij. Foto: Michael Fiedler

2011 wurde sie eingeführt – fünf Jahre beträgt die Zinszusatzreserve  (ZZR) für Lebensversicherungen bereits 44,1 Milliarden Euro. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei „Die Linke“ zurück, über die die „Rheinische Post“ berichtet.   War die Zinszusatzreserve 2011 noch mit 1,5 Milliarden Euro gestartet, betrug sie 2015 bereits 32,1 Milliarden Euro.  

Auch für die Zukunft wird angesichts des andauernden Zinstiefs mit einem weiteren Anstieg gerechnet. So geht die Ratingagentur Fitch, die für 2016 eine Erhöhung der Zinszusatzreserve um knapp 14 Milliarden Euro prognostiziert hatte, davon aus, dass unter den jetzigen Bedingungen die Zinszusatzreserve auf eine Höhe von 150 Milliarden Euro steigen werde. Auch Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund hatte für die Zukunft eine weitere Steigerung im Hinblick auf die ZZR vorausgesagt.  

Zum Hintergrund: Die Zinszusatzreserve war 2011 aufgrund der niedrigen Zinsen und der hohen Garantien aus Altverträgen bei den Versicherungen eingeführt worden. Diese Garantien, die bis zu vier Prozent auf den Sparanteil vorsehen, sind für die Versicherer kaum noch zu erwirtschaften. Und gerade bei Versicherern, die einen hohen Anteil eben dieser Policen in ihren Beständen haben, steigen die Zinszusatzreserven.  

Die Zinszusatzreserve ist dabei ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite bietet sie den Kunden eine Sicherheit, dass ihre vertraglichen Garantien gestützt werden. Aus Sicht der Versicherer bindet die Pflicht jedoch wertvolles Kapital.  

Kritik gab es angesichts der neuen Zahlen von der Versicherungsexpertin der Linksfraktion, Susanna Karawanskij. Durch die Zinszusatzreserve werden "dem Überschusssystem Gelder entzogen, die den Kunden für Ihre Altersvorsorge später fehlen", monierte die Abgeordnete. "Die Zinszusatzreserve ist generell eine sinnvolle Anpassungsmaßnahme nach dem Vorsichtsprinzip. Nun muss sie jedoch an die aktuellen Gegebenheiten derart angepasst werden, dass die Interessen der Verbraucher stärker berücksichtigt werden. Eine zeitliche Streckung bis zu einem moderaten Abbau der Reservelast scheint geboten."

Im procontra LV-Check finden Sie ein extra Kapitel zum Thema ZZR (www.lv-check.net).

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