Rentenfaktor-Senkung bei Fondspolicen - Was Makler wissen sollten

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Allianz und Zurich senken bei fondsgebundenen Lebensversicherungen den Rentenfaktor. Makler sollten sich auf entsprechende Rückfragen vorbereiten.

Rentenfaktorsenkung bei Allianz und Zurich - Signalwirkung

Allianz und Zurich senken den Rentenfaktor bei Fondspolicen. Hat das Signalwirkung für die Branche? (Symbolbild) pixabay

In dieser Woche bestätigten Allianz und Zurich die Senkung des Rentenfaktors bei bestimmten Fondspolicen. Betroffen sind laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ 700.000 Verträge, die zwischen 2001 und 2011 abgeschlossen wurden – allein bei der Allianz.

Möglich ist eine solche Absenkung nur unter bestimmten Voraussetzungen. Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung ohne Kapitalgarantien kann der Versicherer zu Vertragsabschluss keine Mindestrente zusagen, da nicht feststeht, wie hoch das Fondsvermögen zu Rentenbeginn sein wird.
Er kann aber einen Rentenfaktor festlegen, mit dem das zu Rentenbeginn vorhandene Fondskapital in eine Rente umgerechnet wird. Eine Änderung dieses Rentenfaktors ist in der Ansparphase nur möglich, wenn die Vertragsbedingungen dies zulassen und ein unabhängiger Treuhänder die Voraussetzungen für eine Änderung erfüllt sieht – beispielsweise einen deutlichen Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung oder gesunkene Zinsen, heißt es auf procontra-Anfrage vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Doch sinken die Renten durch diesen Schritt, wie einige Medien schlussfolgerten?
Die Versicherer argumentieren, dass nur ein Rentenfaktor verändert werden könne, der ohnehin unter Vorbehalt steht. Laienhaft ausgedrückt: Es kann nichts sinken, was nicht feststeht.

Etwas anders sieht es Merten Larisch, Projektleiter Altersvorsorge- und Geldanlageberatung bei der Verbraucherzentrale Bayern: „Durch die Kürzung des Rentenfaktors für eine fondsgebundene Versicherung sinkt auch die versicherte Rente, bezogen auf das gleiche - zu Verrentungsbeginn erreichte Verrentungskapital“, so Larisch gegenüber procontra.
Allerdings sei anzumerken, dass „lediglich“ die Kürzung des weichen Rentenfaktors möglich ist. In einigen Versicherungspolicen gibt es auch einen – deutlich niedrigeren – harten, also garantierten Rentenfaktor, der ohne Einschreiten der Finanzaufsicht nicht gekürzt werden dürfte.

Signalwirkung für die Branche?

Hat die Entscheidung von Branchenprimus Allianz Signalwirkung für Branche? Ist also mit weiteren Senkungen des Rentenfaktors bei anderen Anbietern zu rechnen?
Die wesentlichen Einflussgrößen auf den Rentenfaktor sind Lebenserwartung und Kapitalmarktzinsen – und diese Parameter sind für alle Anbieter gleich. Doch zu schlussfolgern, dass eine Welle von Rentenfaktor-Senkungen eintritt, wäre dennoch nicht angebracht.

Wust von Vertragsgenerationen

Denn inzwischen gibt es auf dem Markt einen „Wust von Vertragsgenerationen mit unterschiedlichen weichen und harten Verrentungsfaktoren. Da ist es für einen Finanzberater nicht mehr ‚nachkontrollierbar’, ob die Kürzung von Rentenfaktoren aufgrund einer vorpreschenden Versicherungsgesellschaft von anderen nachgemacht wird“, so Merten Larisch. Ohnehin sei das für den einzelnen Verbraucher auch wenig relevant, da für ihn eine spätere Rentenzahlung aus dem Vertrag meistens sowieso ökonomisch uninteressant sein werde, so der Verbraucherschützer.

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