Prügelei im Wald - ein Fall für die Unfallversicherung?

Berater von Martin Thaler

Muss die Gesetzliche Unfallversicherung bei einem gewalttätigen Nachbarschaftsstreit zahlen - wenn das Geschehen sich während einer beruflichen Tätigkeit abspielt? Mit dieser Frage musste sich nun das Landessozialgericht Baden-Württemberg befassen.

In einem Wald in Baden-Württemberg ging es offensichtlich wüst zu.

In einem Wald in Baden-Württemberg ging es offensichtlich wüst zu. Foto: bykst - pixabay.de

Artet ein Nachbarschaftsstreit aus und fliegen dabei die Fäuste, ist dies kein Fall für die Gesetzliche Unfallversicherung – auch nicht, wenn sich das Geschehen während einer beruflichen Tätigkeit abgespielt hat. Dies entschied nun das Landessozialgericht Baden-Württemberg (AZ: L 6 U 3639/16).  

Was war geschehen:   Ein 78-jähriger Landwirt gab an, 2010 von seinem Nachbarn in einem Waldstück mit einem Messer angegriffen worden zu sein. Dabei sei ihm mit einem Messer ein Nervenstrang des rechten Unterarms durchtrennt worden. Daraufhin beantragte er im Jahr 2015 Versicherungsleistungen.  

Seine Versicherung, die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, prüfte nach und entdeckte in den polizeilichen Ermittlungsakten Widersprüche. Hier stand, der Mann sei auf einem Feld (und nicht im Wald) angegriffen und am linken Unterarm (nicht rechts) verletzt worden.  

Der Angeklagte, also der Nachbar, wiederum erklärte, dass in Wirklichkeit der Landwirt ihn angegriffen und mit einem Zaunpfahl geschlagen habe. Hierbei sei dann der Kläger gestürzt. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren eingestellt, da sich der Vorgang nicht aufklären ließ.  

Nun ging es aber noch um die Versicherungsleistungen. Diese lehnte das Sozialgericht ab. Die Begründung: Ein Versicherungsfall im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung liegt nur vor, wenn die berufliche Tätigkeit Ursache für einen eingetretenen Gesundheitsschaden ist, so der Senat. Der angebliche Angriff sei – sofern er denn stattgefunden habe – jedoch allein auf einen jahrelangen Nachbarschaftsstreit zurückzuführen und stehe damit nicht in einem Zusammenhang mit der Berufstätigkeit des Klägers. 

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