Prof. Dr. Beenken: „Verbraucherschutz verteuert die Prämien“

Versicherungen Top News Berater von Diana Ehrenberg

Ehrenberg:
Welche Auswirkungen wird die Umsetzung für Ausschließlichkeitsvermittler, Mehrfachvermittler und zuletzt die Makler haben?

Beenken:

Alle drei Gruppen müssen sich der laufenden Weiterbildung von mindestens 15 Stunden jährlich unterwerfen. Ob wir im Rahmen der »gut beraten«-Initiative bei 30 Stunden bleiben, wird noch diskutiert. Der Gesetzentwurf sieht hier erst einmal nur die Umsetzung der IDD vor. Neu ist, dass auch die Mitarbeiter in den Vermittlerbetrieben einzubeziehen sind, sofern sie am Versicherungsvertrieb beteiligt sind.

Versicherungsberater als reine Rechtsberater beibehalten

Vermittler müssen künftig den Kunden ausdrücklich darauf hinweisen, von wem sie durch welche Art Vergütung bezahlt werden. Der Referentenentwurf sieht vor, dass hier neben der eigentlichen IDD-Umsetzung auch zwei heiße Eisen angepackt werden: das Provisionsabgabeverbot und die Honorarberatung. Beides hängt zusammen. Der bisherige, aus dem Anwälte-Recht stammende Versicherungsberater wird dem Vorschlag gemäß aufgegeben und durch einen »Honorar-Versicherungsberater« ersetzt. Der soll rechtsberaten, aber auch vermitteln dürfen. Dafür ist er vom Kunden zu honorieren, kann aber für den Kunden eine Prämiengutschrift erwirken, wenn er keinen geeigneten Nettotarif, sondern nur einen Bruttotarif einschließlich Provisionen und ähnlicher Kosten anbieten kann. Die Prämiengutschrift muss der Versicherer vornehmen, der Berater soll nicht intransparent selbst Verrechnungslösungen durchführen dürfen.

Im Umkehrschluss will man Versicherungsvermittlern – Vertretern und Maklern – verbieten, Honorare anzunehmen, sondern sie dürfen nur noch Provision annehmen und diese auch nicht im Wege der Provisionsabgabe zur Umgehung des Honorarverbots einsetzen. So glaubt man dem Kunden deutlich machen zu können, wer der wirklich unabhängige Berater ist. Allerdings bleibt es beim Rechtsberatungsrecht des Maklers gegenüber Firmenkunden und im Belegschaftsgeschäft, hier darf er also ein Honorar berechnen – aber eben nicht für die Vermittlung. Ich kann mir allerdings schwer vorstellen, dass es durchsetzbar wäre, dass auch im Industrie- und Großgewerbegeschäft die Uhren zurückgedreht, Nettoisierung und die Vereinbarung von Vermittlungshonoraren wieder aufgegeben werden kann. Das wird der Markt nicht akzeptieren. Hier erwarte ich in der parlamentarischen Beratung Korrekturen. Die wiederum stellen dann allerdings das ganze Konzept eines „Honorar-Versicherungsberaters“ in Frage, wenn auch der Makler nettoisieren und gegen Honorar vermitteln kann. Ich halte den ganzen Ansatz für problematisch und würde beim althergebrachten Versicherungsberater als reiner Rechtsberater bleiben.

Das Interview führte Diana Ehrenberg von Versicherungsforen Leipzig. Prof. Dr. Beenken ist Vortragsredner auf der "Fachkonferenz Vertriebsmanagement 2017" am 16./17.03. 2017 in Leipzig. Das vollständige Interview lesen Sie in der kommenden procontra: erhältlich ab 24.02.2017.

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