Prof. Dr. Beenken: „Verbraucherschutz verteuert die Prämien“

Versicherungen Top News Berater von Diana Ehrenberg

Ehrenberg:
Der Vertriebsbereich wird am stärksten von der IDD reguliert. Worauf müssen sich die Versicherungsunternehmen im nächsten Jahr konzentrieren, um bestmöglich für den 23.02.2018 aufgestellt zu sein?

Beenken:

Die Versicherer sollten dringend Projekte aufsetzen, soweit nicht schon geschehen, und darin systematisch bereichs- und spartenübergreifend prüfen, wer von der IDD-Umsetzung wie betroffen ist, welche Prozesse angepasst und welche Complianceregeln etabliert werden müssen. Kernthemen sind nach meiner Meinung erstens die Weiterbildungspflicht für die am Versicherungsvertrieb beteiligten Personen. Die wirft auch die Frage der arbeitsteiligen Organisation beim Versicherer wie auch im Vermittlerbetrieb auf – wer darf überhaupt den Kunden worüber beraten?

MiFID-Regeln bei Altersvorsorgeberatung?

Zweitens hat das Paradigma des bestmöglichen Interesses weitreichende Folgen. Als Beispiele nenne ich zum einen die Schließung von Lücken im Angebot für bestimmte, vom Versicherer und/oder seinen Vermittlern aktiv angesprochenen Zielgruppen durch Eigenentwicklung, Kooperation oder eine offene und nicht nur restriktive Ventillösung. Das ist Aufgabe im neu zu etablierenden Produktgenehmigungsprozess. Zum anderen muss die Vertriebssteuerung tiefgreifend angepasst werden und darf nicht mehr den Absatz einzelner Produkte und Tarife anreizen, wenn dies im Einzelfall den Kundeninteressen entgegenstehen kann. Das bedeutet u.a. die Aufgabe traditioneller Geschäftspläne, Bonifikationen, Tarifart-abhängig differenzierter Vergütungen sowie Incentives und Wettbewerbe.

Drittens verändert sich der Lebensversicherungsvertrieb erheblich. Denn die Angleichung an die MiFID-Regeln betreffen zwar »nur« ungeförderte Lebens- und Rentenversicherungen, und hier möglicherweise »nur« fondsgebundene, wobei diese Eingrenzung strittig ist. Aber es ist praktisch schwer vorstellbar, innerhalb eines Verkaufsprozesses aus einem einzigen Anlass Altersvorsorgebedarf heraus zwei völlig unterschiedliche Beratungsstrecken zu gehen. Das kann im Ergebnis nur heißen, dass künftig in jedem Fall wie nach MiFID-Regeln bzw. in Deutschland den Regeln der anleger- und anlagegerechten Beratung vorgegangen werden muss, unter anderem mit einer Geeignetheitsprüfung.

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