Prof. Dr. Beenken: „Verbraucherschutz verteuert die Prämien“

Versicherungen Top News Berater von Diana Ehrenberg

Welchen Herausforderungen sich Versicherungen und ihre Vertriebe sowie Versicherungsvermittler im Zusammenhang mit der Umsetzung der IDD-Richtlinie stellen müssen, erklärt Prof. Dr. Matthias Beenken im Interview.

IDD Beenken Versicherungsvermittlung

Hält die Umsetzung der IDD für sehr teuer: Prof. Dr. Beenken Bild: Beenken/ Versicherungsforen

Diana Ehrenberg:
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, denen die Versicherungsunternehmen jetzt gegenüberstehen?

Beenken:
Zunächst muss man feststellen, dass die Richtlinie für Versicherer zur Unzeit kommt, denn nahezu gleichzeitig sind ja auch Solvency II oder LVRG sowie neue Regeln im Datenschutz und in der Governance umzusetzen. Die IDD steht sogar in einem offenen Zielkonflikt zu Solvency II, denn nach den Solvenzregeln muss ein Versicherer sein Portfolio risikoorientiert steuern und sein knappes Eigenkapital effizient einsetzen. Gleichzeitig soll er aber laut IDD nur Versicherungsprodukte entwickeln sowie vertreiben, die dem bestmöglichen Interesse des Kunden entsprechen. Das ist ein Dilemma.

IDD-Umsetzung wird teuer

Die IDD-Umsetzung wird sehr teuer. Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt die Zusatzkosten der Branche auf rund eine halbe Milliarde Euro im Jahr und diese Schätzung halte ich noch für zu konservativ. Verbraucherschutz verteuert die Prämien, ohne dass die Kunden gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind. Das ist schon ein Eingriff in das Marktgeschehen, bei dem sich die Frage der Verhältnismäßigkeit stellt. Alternativen gibt es derzeit aber keine, sodass es jetzt auf eine möglichst bürokratiearme Umsetzung ankommt. Vor allem sollten die diversen Mitgliedsstaatenoptionen nicht genutzt werden, die vor allem im Hinblick auf schärfere Vertriebsregulierungen in den Niederlanden und Großbritannien erlassen wurden. In Großbritannien beispielsweise haben immerhin die Finanzmarktaufsicht und das Finanzministerium in einer gemeinsamen Studie öffentlich eingeräumt, dass die Regulierung übertrieben worden ist und nun eine Beratungslücke entstanden ist – Menschen mit normalen und niedrigen Einkommen finden keine Berater mehr. Diesen Fehler müssen wir in Deutschland nicht wiederholen.

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