"Lemonade" zieht erstmals Bilanz

Digital Versicherungen Top News von Martin Thaler

Das Startup "Lemonade" hat sich nichts Geringeres als die Neuerfindung der Versicherung auf die Fahnen geschrieben. Die Branche schaut aufmerksam zu. Nun zieht der Digitalversicherer nach 100 Tagen im Geschäft Bilanz und veröffentlicht erste Zahlen.

Der Versicherer "Lemonade" hat nach 100 Tagen im Geschäft nun Bilanz gezogen.

Der Versicherer "Lemonade" hat nach 100 Tagen im Geschäft nun Bilanz gezogen. Foto: Cynthiart - Pixabay.de

Wer beim Thema FinTech schauen möchte, wohin die Reise gehen kann, wird in Deutschland zumeist nicht fündig. Zu häufig konzentrieren sich die Geschäftsmodelle der neuen Marktteilnehmer auf den Bereich Vertrieb.  

Als spannendes Beispiel, wie denn die häufig propagierte neue Versicherungswelt aussehen kann, wird immer wieder der im vergangenen Jahr an den Markt gegangene US-Versicherer „Lemonade“ genannt. Der Digitalversicherer, der sich das Ziel gesetzt hat, Versicherungen komplett neu zu erfinden, verspricht Kunden (bislang nur aus dem Bundesstaat New York) eine einfache Kommunikation, eine schnelle Schadensregulierung sowie größtmögliche Transparenz. Hausratversicherungen können Kunden ab fünf Dollar abschließen, die Wohngebäudeversicherung gibt es ab 35 Dollar.

Zusätzlich kann man besonders wertvolle Habseligkeiten absichern, beispielsweise Musikinstrumente, Schmuck oder Kunstwerke. Von den Prämien veranschlagt die Versicherung lediglich 20 Prozent für Kosten und Gewinn für sich. Der Rest des Geldes geht – wenn nach der Begleichung von Schände welches übrigbleibt – an gemeinnützige Organisationen.  

"Lemonade" präsentiert neue Zahlen

Mit Spannung blickten nun viele Menschen in Richtung der USA, als „Lemonade“ nun neue Zahlen veröffentlichte. Diesen zufolge hat der Digitalversicherer mittlerweile rund 2230 Policen verkauft (Stand: Januar 2017), wobei insbesondere sich der Januar als besonders erfolgreich für den Versicherer gestaltete (siehe Grafik).  

Insgesamt konnte der Versicherer im vierten Quartal des Vorjahres Prämieneinnahmen von 179.855 Dollar verzeichnen. Die Schadenquote lag dabei bei 20 Prozent, wobei ein Teil hiervon von anderen Versicherer gedeckt war, so dass „Lemonade“ davon ausgeht, letztlich auf eine Schadenquote von zwölf Prozent zu kommen. Besonders Menschen zwischen 25 und 44 Jahren fühlten sich vom Angebot von „Lemonade“ angesprochen – 81 Prozent der Kunden sind zwischen 25 und 44 Jahren alt.  

Interessant dabei ist die Tatsache, dass nach Firmenangaben ein Großteil der Kunden nicht etwa von anderen Versicherungen gewechselt sei, sondern vorher über gar keinen Versicherungsschutz verfügte. Demnach sieht man sich bei „Lemonade“ darin bestätigt, neue Zielgruppen erschließen zu können.   Für die Zukunft will das Unternehmen, das mehr als 60 Prozent seiner Prämien allein in den beiden New Yorker Stadtteilen Manhattan und Brooklyn erwirtschaftete, in ganz Amerika seine Produkte anbieten. Geld für diese Expansion sollte ausreichend in der Unternehmenskasse sein.  

Zahlreiche namhafte Investoren haben Geld in den neuen Versicherer gesteckt, unter anderem der WhatsApp-Investor Sequoia Capital, Google Ventures sowie der Versicherer XL Catlin. Sollte sich der Trend der vergangenen Monate wirklich fortsetzen, wird die Branche noch intensiver in Richtung New York schauen. 

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