Die digitalen Versprechen der Versicherer

Top News Versicherungen von Eike Schulze

Dass Thinktanks bereits interessante Entwicklungen anstoßen, zeigt beispielsweise die Talanx-Tochter HDI-Versicherung. Auf der Inscom 2016 stellte Vorstandsmitglied Markus Rehle eine Vision der zukünftigen Schadensermittlung im Kfz-Bereich vor. Bei einem Unfall des Versicherten wird ein Dongle aktiv. Der Versicherer nimmt darauf automatisch Kontakt mit dem Kunden auf und erkundigt sich nach dessen Zustand. Kurze Zeit später wird der Unfall von einer Kameradrohne des Versicherers aufgenommen.

Weiterhin sieht das Angebot die Bestellung eines Abschleppwagens und eines Taxis für den Verunfallten vor. Andere Anbieter verfolgen ähnliche Konzepte. Das Ziel dabei ist klar: Der Fahrer soll in der stressigen Situation eines Unfalls von wichtigen Tätigkeiten befreit sein. Ob die Vision bereits im nächsten Jahr Wirklichkeit wird, hängt von zwei Faktoren ab: erstens von der Leistungsfähigkeit von Unfallsensoren, die zwischen einem Auffahrunfall und einem „Parkrempler“ unterscheiden können.

Zweitens muss noch geklärt sein: Wem gehören die Unfalldaten? Nach EU-Richtlinien sehr wahrscheinlich dem Kunden. Dieser müsste die Daten dann freigeben. Das Projekt befindet sich derzeit in der Erprobungsphase.   

Watson – übernehmen Sie!

Einen anderen Versuch startete die Versicherungskammer Bayern (VKB) mit der Watson-Technologie von IBM. Dies ist eine selbst lernende Technologie, die mit einem eigenen Gedächtnis versehen ist, das sogar Ironie im Schriftverkehr erkennt. Das virtuelle „Helferlein“ bei der VKB ist inzwischen aus dem Entwicklungsstadium heraus.

„Watson wird uns ab dem Jahreswechsel 2016/17 unterstützen“, sagt Isabella Martorell Nassl, Bereichsleiterin Betrieb der VKB. „Das System soll aus den Kundenschreiben Unmut erkennen oder einen Angebotswunsch herauslesen. So können wir noch kundenorientierter und schneller reagieren.“ Ein anderes Verfahren befindet sich gerade in der Erprobungsphase. Die VKB gibt jetzt den Kunden die Möglichkeit, eine elektronische Versicherungsbestätigung (eVB) zu erhalten. Dies geschieht über ein weiteres Programm mit natürlicher Spracherkennung per Telefon. Dieser Service ermöglicht den sofortigen Erhalt der gewünschten Bestätigung per SMS auf das Handy.

Die digitalen Innovationen tangieren nicht nur die Kunden-, sondern auch die Vertriebsbeziehung. Digitale Beratermappen und Weiterbildung per Quiz-App (Gamification) werden bald zur Standardausrüstung eines jeden Versicherers gehören. Gehören müssen! Denn die Ansprüche vor allem der freien Makler werden mit den Möglichkeiten steigen. 

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