BU: Schaffen klare Bedingungen bessere Leistungsregulierung?

Berater Top News von Michael Fiedler

Was zählt bei der Einschätzung eines BU-Qualitäts-Tarifs? Finanzkraft des Anbieters? Klare Bedingungen? Oder Leistungsregulierung? Und wie lässt sich die Leistungsregulierung einschätzen, wenn nicht alle Daten verfügbar sind?

Klare Regeln BU Qualität

Nach welchen Regeln erfolgt im BU-Bereich die Leistungsregulierung? (Symbolbild) Fotolia / Dmitriy Shipilov

Für spezialisierte Makler bietet der BU-Markt eine beinahe unerschöpfliche Quelle für Fachartikel und Blog-Beiträge. Makler können so wichtige Aufklärungsarbeit leisten und ihre Position als Experte in der öffentlichen Wahrnehmung stärken.

Paradebeispiel dafür ist sicherlich der Blog von Matthias Helberg. Mit „Avanti dilettanti“ hatte Helberg 2013 einen BU-Test der Stiftung Warentest analysiert und damit deutschlandweit nicht nur in der Fachpresse Aufmerksamkeit erregt.

BU-Qualität aus den AVB ableiten

Auch Philip Wenzel hat sich mit seinen Einschätzungen zu BU-Tarifen einen Namen gemacht. Bernd Schlemann, Gerd Kemnitz, Frank Dietrich oder Guido Lehberg sind ebenfalls zu nennen.
Ihren Beiträgen ist oft gemeinsam, dass sie versuchen, die Qualität der Tarife aus den Bedingungswerke abzuleiten.

Bedingungen allein reichen nicht?

Doch reicht allein ein gutes Bedingungswerk (wenn denn feststeht, was genau ein gutes Bedingungswerk auszeichnet)?
Claus-Dieter Gorr (PremiumCircle) würde dieser These sicherlich nicht zustimmen. Im November 2016 initiierte er eine „Transparenz und Qualitätsoffensive“ im BU-Bereich. Denn „ob man im BU-Fall Leistungen erhält, gleicht oft einem Würfelspiel“, sagte er gegenüber procontra. Auch, weil er fürchtet, dass ohne freiwillige Änderungen in der Branche die Politik stärker regulierend in den Markt eingreifen könnte.
„Erfreulicher Weise haben fast alle relevanten BU-Versicherer an unserer Erhebung im Rahmen der Qualitäts- und Transparenzinitiative zur BU teilgenommen", so Gorr gegenüber procontra. „Dennoch gibt es eine große Anzahl von Unternehmen, die offenbar ohne politischen Handlungsdruck keine Transparenz zum angewandten Leistungsprozess liefern wollen.“

Konkretisierungsbedarf im VVG

Neben den Bedingungen, die zumeist durch eine Fülle unbestimmter Begriffe gekennzeichnet seien, müssten auch Daten aus der Leistungsregulierung betrachtet werden, um die Qualität eines Anbieters einschätzen zu können. Das betrifft beispielsweise die Anzahl der außergerichtlichen Vergleiche oder durch wie viele Instanzen Prozesse durchgefochten werden. Problem: Diese Daten veröffentlichen Versicherer (bisher) nicht.
Gorr wollte das ändern und rief deshalb die besagte „Transparenz und Qualitätsoffensive“ ins Leben und verschickte einen entsprechenden Fragebogen an die Anbieter von BU-Produkten.
Nun sollen die Ergebnisse im Rahmen des „1. Recht-Symposiums Berufsunfähigkeitsversicherung“ am 28.03.2017 in Frankfurt am Main vorgestellt werden.

„Anhand der bislang ausgewerteten Daten und Rückspiegelungen ist deutlich erkennbar, dass insbesondere die unbestimmten Begriffe und unverbindlichen Formulierungen in den Vertragsbedingungen den Versicherern im Leistungsfall einen großen Handlungsspielraum ermöglichen. Es gibt erhebliche Unterschiede in der Ausnutzung juristischer Eskalationsstufen und in der Folge der Zahldauer anerkannter Rentenleistungen. Es besteht nicht nur ein Transparenzdefizit, sondern dringender Konkretisierungsbedarf im VVG und bei den Vertragsbedingungen“, so Gorr zu den Ergebnissen, die bald offiziell vorgestellt werden sollen.
Gegenstand der ganztägigen Veranstaltung ist auch die aktuelle Rechtsprechung zu Lasten/Gunsten von versicherten, Vermittlern und Versicherern:

  • Beratungs-, Belehrungs- und Anzeigepflichten beim Vertragsabschluss
  • Chancen und Risiken im Umgang mit vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzungen
  • Auslegung und Bewertung von verbindlichen und unverbindlichen AVB-Inhalten
  • Nachweis- und Feststellungsprozess des Berufsunfähigkeitsgrades 
  • Auswirkung von Verweisungs- und Umorganisationsklauseln 
  • Anerkenntnis- und Nachprüfungsproblematik 
  • Einflussfaktoren benachbarter Rechtsgebiete 

Als Referenten sind u.a. vorsitzender Richter Dr. Sven Marlow und Richter Udo Spuhl (beide Landgericht Berlin, Versicherungskammer) vorgesehen.

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