Berlin, München und Frankfurt – drei begehrte Städte

Sachwerte von Stefan Terliesner

Alle wollen in die Städte – davon können Wohnungssuchende in den deutschen Metropolen schon heute ein Lied singen. Was auf Berlin, München und Frankfurt am Main zukommen wird, hat das IW Köln in einer Bevölkerungsprognose untersucht.

Welche Entwicklungen sind in Berlin, München und Frankfurt am Main feststellbar?

Welche Entwicklungen sind in Berlin, München und Frankfurt am Main feststellbar? Foto: IW Köln

Deutschland wächst wieder: 2011 hatte die Bundesrepublik 80,8 Millionen Einwohner. Ende 2015 waren es 82,2 Millionen. Allein seit 2014 sind eine Million Bürger dazubekommen. Dies berichtet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) in einer ihrer Publikationen.  

Attraktive Wirtschaftszentren  

Der Bevölkerungszuwachs verteile sich nicht gleichmäßig übers Land. Weil die Wirtschaftszentren und die Hauptstadt bei In- wie Ausländern gleichermaßen begehrt seien, werde die Einwohnerzahl der Großstädte weit überproportional zunehmen.

Das IW Köln nennt, was dahintersteckt:  

  • Junge Menschen gehen zum Beispiel nach Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt, um dort zu studieren, eine Ausbildung zu absolvieren oder einen ersten Job anzunehmen.  

  • Frischgebackene Rentner zieht es in die Großstädte, weil sie das kulturelle Angebot und den gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr schätzen.  

  • Konzernzentralen und unternehmensnahe Dienstleister bieten viele anspruchsvolle Arbeitsplätze für hochqualifizierte Erwerbstätige.  

  • Auch die Geflüchteten und anderen Zuwanderer zieht es in die überregionalen Zentren, weil dort Verwandte leben oder sich eine Gemeinschaft aus Landsleuten gebildet hat.  

  • Teilweise verzeichnen Großstädte – anders als viele andere Regionen in Deutschland – sogar natürliche Bevölkerungsgewinne, es werden also mehr Menschen geboren als sterben.  

Berlin wird zur 4-Millionen-Stadt  

Das IW Köln habe exemplarisch für die drei Städte Berlin, München und Frankfurt am Main untersucht, was ihnen die Zukunft bringt. Die Ergebnisse:  

Berlin ist auf dem Weg zur 4-Millionen-Stadt. Im Jahr 2035 leben voraussichtlich 14,5 Prozent mehr Menschen in der Bundeshauptstadt als derzeit. Damit überträfe das Berliner Bevölkerungswachstum das deutsche um den Faktor 13. Berlin wird zudem kaum älter. Dank der Zuwanderung entsteht ein ausgeprägter Schwerpunkt in der Altersgruppe der 30-Jährigen, die Babyboomer der Geburtsjahrgänge nach 1955 bilden dann nur noch die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe. Das Durchschnittsalter der Berliner klettert von 2016 bis 2035 gerade einmal um gut zwei Monate auf 42,2 Jahre. Im Schnitt altert Deutschland dagegen um drei Jahre – und wird 2035 bereits 46,7 Lenze auf dem Buckel haben.  

München bleibt besonders jung. Die bayerische Landeshauptstadt profitiert vor allem von ihrer Wirtschaftsstärke und der hohen Lebensqualität. Der Durchschnitts-Münchner wird 2035 lediglich 41,4 Jahre alt sein. Es werden noch mehr unter 15-Jährige an der Isar leben als in den beiden anderen untersuchten Metropolen – und weniger Menschen im Rentenalter. Während in München im Jahr 2035 jeder fünfte Einwohner jünger als 15 Jahre sein wird, gilt das deutschlandweit dann gerade noch für jeden achten. Die Bevölkerung der größten süddeutschen Stadt legt der IW-Prognose zufolge prozentual fast so stark zu wie die Berlins. In 20 Jahren könnte München 1,66 Millionen Einwohner zählen – gut 200.000 mehr als heute.  

Frankfurt am Main ist schon in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen. Jahrzehntelang auf etwa 650.000 Einwohner abonniert, fiel 2013 die 700.000er-Marke. Inzwischen leben fast 733.000 Menschen in der heute mit einem Durchschnittsalter von 40,2 Jahren jüngsten der drei verglichenen Großstädte. Auch Frankfurt gewinnt bis 2035 überproportional viele Einwohner dazu und altert weniger stark als der Rest der Republik. Mit München und Berlin kann die Bankenmetropole allerdings nicht mithalten – aus einem einfachen Grund: Demnächst werden nicht mehr ganz so viele Menschen wie derzeit nach Frankfurt ziehen, was auch den Verjüngungseffekt dämpft. Gleichwohl ist 2035 mit mehr als 800.000 Menschen in Frankfurt zu rechnen.

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