Beratung am Bedarf vorbei?

Berater Top News Digital Meistgeklickt von Martin Thaler und Michael Fiedler

Martin Thaler:

Digitalisierung? Das scheint derzeit nicht nur ein Steckenpferd der Versicherungsbranche zu sein, auch bei den Verbraucherschützern aus dem Hause des Bund der Versicherten (BdV) kommt man anscheinend nicht um das Thema herum. Der BdV präsentiert sich nämlich seit neuestem nicht nur im Internet optisch aufgebrezelt, sondern hat auch eine App veröffentlicht, die auf den klangvollen Namen „BedarfsCheck“ getauft wurde.

Mit gerade einmal vier Klicks, in denen der User seine familiäre, berufliche und Wohnsituation offenlegt, offenbaren einem Kleinlein & Co., in welchen Bereichen der größte Absicherungsbedarf besteht.

Nun kann man natürlich einwenden, dass ein aus vier Fragen bestehender Bedarfscheck wohl kaum nennenswerte Aussagekraft besitzt – und damit hätte man auch Recht. Aber das ist kein Problem, das sich auf die BdV-App beschränkt – keine App kann (bislang) ein fachkundiges Gespräch mit dem Makler ersetzen.

Doch darum geht es nicht. Ebenso wenig um die Tatsache, dass der BdV seiner Bedarfsanalyse ein Beratungsangebot angehängt hat. Das kann man kritisieren, muss man aber nicht.

Denn im Vordergrund sollte doch etwas anderes stehen: Die Deutschen sind falsch versichert. Dieser Aussage dürfte nicht nur der BdV zustimmen, sondern auch der Makler. Dafür reicht schließlich ein Blick in die gängigen Statistiken. So sind nur vier Prozent der Deutschen privat in puncto Pflege abgesichert. Der Elementarschutz dümpelt, trotz beinahe alljährlich durchs Land ziehender Naturkatastrophen, mit einer Verbreitung von gerade einmal 40 Prozent vor sich hin. Und auch, wenn es um die Absicherung der beruflichen Existenz geht, ist weitaus noch Luft nach oben. Stattdessen sind X-Box One und das neue Samsung Galaxy-Smartphone abgesichert.

Dies gilt es zu kritisieren, darauf gilt es hinzuweisen – und dies geschieht auch, aus Makler- wie Verbraucherschützermund. Wenn man das Bewusstsein der Verbraucher für den notwendigen Versicherungsschutz via App sensibilisieren kann, dann ist das eine gute Sache. Und hier jetzt das Haar in der Suppe zu suchen, nur weil diese App vom Bund der Versicherten stammt, geht am Interesse eigentlich aller Marktteilnehmer vorbei.

Denn auch Makler können von Kunden profitieren, bei denen die Prioritäten im Leben klar geordnet sind. Es sei denn natürlich, man will sich in Zukunft auf Handyversicherungen fokussieren.

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