Beratung am Bedarf vorbei?

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Der Bund der Versicherten (BdV) hat eine neue App: Der "BedarfsCheck" soll helfen, den "notwendigen Versicherungsschutz" zu ermitteln. procontra hat die App getestet: Was für und was gegen die App spricht.

Test Bedarfscheck Bund der Versicherten

procontra hat den BedarfsCheck des BdV unter die Lupe genommen. Für und Wider beleuchten Martin Thaler und Michael Fiedler. Bild: pixabay

Michael Fiedler:

Nun gibt es also auch eine App vom Bund der Versicherten. Im „BedarfsCheck“ bekommt der Nutzer Hinweise, in welchen Versicherungsbereichen (möglicherweise) Nachhol-Bedarf besteht.

 Die Daten, die dafür erhoben werden, sind allerdings spärlich. Unter „privater Situation“ muss sich der Nutzer entscheiden: Single, Single mit Kind, Paar oder Paar mit Kind.
Zum Vergleich: Der Erfassungsbogen zu den Kundenbasisdaten – entwickelt vom Arbeitskreis Beratungsprozesse – lässt zudem auch die Optionen „geschieden“ und „eheähnliche Gemeinschaft“ zu. Ganz ähnlich bei der beruflichen Situation. Während der BdV nur die Auswahlmöglichkeiten „in Ausbildung/Studium“, „Angestellter/Beamter“, „selbstständig“ und „im Ruhestand“ zulässt, kennt der Arbeitskreis verschiedene Formen der Erwerbslosigkeit (Arbeitslosigkeit, Versorgungsempfänger, Erziehungszeiten, Tätigkeit als Hausfrau/-mann). Auch zwischen Freiberuflern und Selbstständigen wird unterschieden, bei Angestellten wird abgefragt, ob sie im öffentlichen Dienst tätig sind, oder nicht. Bei Beamten will der Arbeitskreis Beratungsprozesse wissen, ob die Beamten auf Widerruf, Probe oder Lebenszeit tätig sind.

Wohnsituation und Besitz werden in der BdV-App ebenfalls nur oberflächlich abgefragt. Nach der kurzen „Bestandsaufnahme“ erhält der Nutzer der BdV-App unter „Ihr Versicherungsbedarf“ vorgefertigte, allgemeine Textbausteine. Je nach Auswahl sind Bereiche, in denen ein Absicherungsbedarf besteht, mit ein, zwei oder drei Plus-Zeichen dargestellt. Zum Beispiel zu Haftungsrisiken oder „Sachwertrisiken“, wobei der BdV darunter Wohngebäudeversicherung oder Hausrat versteht.

Nun kann man vielleicht einwenden, dass es sich ja „nur“ um einen unverbindlichen „Check“ handelt und der BdV selbst ja keine Versicherungen vermitteln würde.

Doch die App ist mehr als nur ein oberflächlicher Datensammler. In den Textbausteinen heißt es: „Individuelle Beratung bekommen Sie bei unserer Tochtergesellschaft, der BdV Verwaltungs GmbH“ (siehe Screenshot).
Einen Hinweis darauf, dass die Verwaltungs GmbH als Versicherungsberater registriert ist, findet sich hingegen nirgends.

Update:
Auf procontra-Anfrage teilte der BdV mit, wie das Verfahren genau aussieht. Demnach kann sich der Nutzer nach erfolgreichem Durchlaufen des BedarfsChecks das Ergebnis ausschließlich an die eigene E-Mail-Adresse senden. Ist im Anschluss eine individuelle Beratung gewünscht, sei dies nur im Rahmen der BdV-Mitgliederberatung möglich. Diese setzt eine Mitgliedschaft beim BdV voraus. Im Rahmen der Beantragung der BdV-Mitgliedschaft erhält das Mitglied alle erforderlichen Informationen, so der BdV.

Mein Fazit:
Der Bund der Versicherten – sonst zurecht sehr bedacht auf Klauseln und Kleingedrucktes – täte meiner Meinung nach gut daran, an dieser Stelle mehr auf Transparenz zu achten.

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