Altenheime drehen an der Preisschraube

Berater von Martin Thaler

Nutzen Betreiber von Altenheimen die jüngst in Kraft getretene Pflegereform für Preiserhöhungen. Dies legen Berichte von Sozialverbände nahe. Die Heimbetreiber würden dabei auf höhere Investitionskosten setzen, heißt es.

Altenheime nutzen die Pflegereform für Preissteigerungen, mahnen Verbände.

Altenheime nutzen die Pflegereform für Preissteigerungen, mahnen Verbände. Foto: WerbeFabrik - Pixabay.de

Nutzen Altenheime in Deutschland die zu Jahresbeginn in Kraft getretene Pflegereform? Diesen Verdacht äußern zumindest einem Bericht der „Welt am Sonntag“ zufolge mehrere Sozialverbände. So würden einige Altenheime momentan den Anteil an den Kosten für einen Heimplatz deutlich anheben, den die Bewohner selber zahlen müssten, heißt es in dem Bericht. Insbesondere bei den sogenannten Investitionskosten würden die Heimbetreiber mehr verlangen.  

Die Investitionskosten werden nicht von der gesetzlichen Pflegeversicherung gedeckt. Sie dienen der Refinanzierung der Kosten, die für die Nutzung des Gebäudes notwendig sind und umfassen unter anderem Instandhaltungskosten am Gebäude. Da die Kosten damit vom Alter und Zustand des Gebäudes abhängig sind und sich Grundstückspreise und Baukosten in den einzelnen Bundesländern unterscheiden, kommt es zu großen Preisunterschieden. Angaben der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) zufolge, müssten beispielsweise die Bewohner mit im Schnitt 8,65 Euro pro Tag knapp die Hälfte der Kosten der Heimbewohner in Nordrhein-Westfalen zahlen (17,46 Euro).  

Gerade in Nordrhein-Westfalen hätten viele Heimbetreiber jetzt noch einmal an der Kostenschraube gedreht, heißt es von Seiten der BIVA. „Wir haben das Gefühl, dass die eigentlich gewollte Entlastung bei hohen Pflegegraden tendenziell dadurch aufgezehrt wird“, erklärte deren Sprecher David Kröll gegenüber der "Welt am Sonntag".  

Seit Jahresbeginn ist die zweite Stufe des Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) in Kraft. Sie beinhaltet unter anderem einen neuen Pflegebegriff sowie die Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegraden.  

Jedoch bleiben die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung auch nach der Reform weiterhin nur eine Art Teilkaskoschutz. Insbesondere in der vollstationären Pflege drohen große finanzielle Lücken, die vom Versicherten selbst bzw. von dessen Angehörigen zu füllen sind. Um diese Lücke anderweitig zu überbrücken, setzen immer mehr Leute auf eine private Pflegeversicherung. Hier gaben der PKV-Verband zuletzt steigende Absatzzahlen bekannt. 

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