IDD-Umsetzung: Das sagen die Pools

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Der Referentenentwurf zur IDD-Umsetzung sorgt unter Maklern für Ärger. Stellungnahmen gibt es bereits einige - doch wie stehen die Maklerpools zum Entwurf? Procontra fragte nach.

Gibt sich optimistisch, dass am Referentenentwurf noch nachgebessert wird: Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender Jung, DMS & Cie.

Gibt sich optimistisch, dass am Referentenentwurf noch nachgebessert wird: Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender Jung, DMS & Cie. Foto: Jung, DMS & Cie

Der Referentenentwurf zur IDD-Umsetzung sorgt in der Branche, insbesondere unter Maklern, für Ärger. Der Bundesverband Finanzdienstleistung (AfW) erklärte in einer Stellungnahme: "Mit dem vorgelegten Entwurf des IDD-Umsetzungsgesetzes startet der Versuch, einen der kundenorientiertesten Berufsstände unter dem äußerst löchrigen Deckmantel der verbraucherorientierten Honorarberatung letztlich abzuschaffen." Der Bundesverband der Sachverständigen im Versicherungswesen startete eine Petition im Netz, um den Unmut innerhalb der Maklerschaft Ausdruck zu verleihen. Doch was sagen die Pools zum Referentenentwurf. Procontra hat sich einmal umgehört.

Simon Bühl, Leiter Versicherung & Vorsorge bei Qualitypool:

„Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass das Thema Verbraucherschutz hoch aufgehängt wird – zumal das Vertrauen in die Versicherungsbranche gelitten hat. Das nun im Referentenentwurf zur Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie (IDD) festgeschriebene Ungleichgewicht zwischen Versicherungsmaklern auf der einen und Honorarberatern sowie Ausschließlichkeitsvermittlern auf der anderen Seite, können wir allerdings nicht akzeptieren.

Im Kern betrifft die Kritik drei Aspekte: Das Provisionsabgabeverbot beinhaltet Ausnahmen zugunsten der Ausschließlichkeitsvertriebe. Es wird nicht angewendet, wenn die Zahlung an den Kunden ‚zur dauerhaften Leistungserhöhung oder Prämienreduzierung des vermittelten Vertrages verwendet wird´.

Die Erfahrung zeigt, dass Schlupflöcher in der Regel aktiv genutzt werden – im besagten Fall zu Lasten der Versicherungsmakler. Vorstellbar ist, dass ein bestehendes Agenturnetz als Qualitätsverbesserung angesehen wird und Versicherungen somit über ihre Ausschließlichkeitsorganisation eine Provisionsabgabe erteilen können.

Das im Referentenentwurf festgeschriebene Provisionsgebot bedeutet das Ende der Mischvergütung von Versicherungsvermittlern. Versicherungsmakler dürfen demnach allein durch das Versicherungsunternehmen – und nicht mehr durch den Kunden – vergütet werden. Unter dieser klaren Trennung von Honorar- und Provisionsberatung wird letztendlich der Kunde leiden. Im Schadenfall kann der Versicherungsmakler nicht mehr als Sachverwalter seines Kunden gegenüber der Versicherung auftreten. Denn für die Begleitung im Schadenfall von beispielsweise einer im Internet abgeschlossenen Versicherung kann er nicht mehr durch den Kunden bspw. in Form eines kleinen Honorars vergütet werden. Alternativ ist die Konsultierung eines Honorarberaters möglich.

In der Praxis wird dies nicht überall umsetzbar sein, da Honorarberater momentan nicht flächendeckend aufgestellt sind. Die als Kundenabwerbungsklausel bezeichnete Änderung von Paragraf 6 VVG hat das Potenzial, Versicherungsmaklern ihre Kunden abspenstig zu machen. In Absatz 6 wurde der Zusatz gestrichen `ferner dann nicht, wenn der Vertrag mit dem Versicherungsnehmer von einem Versicherungsmakler vermittelt wird oder wenn es sich um einen Vertrag im Fernabsatz im Sinne des Paragrafen 312c des Bürgerlichen Gesetzbuchs handelt´.

Die Versicherung kann somit den Kunden selbst nach Vertragsschluss und Betreuung durch einen Ausschließlichkeitsvermittler im eigenen Haus kontaktieren und beraten. So könnten die Kunden der Versicherungsmaklern abgeworben werden, zumal sie vom Provisionsabgabeverbot ausgenommen sind.“

Seite 1: "Ungleichgewicht können wir nicht akzeptieren"
Seite 2: "Was Versicherungsmakler leisten, wir von der Politik nicht erkannt"
Seite 3: "Referentenentwurf zeigt Lobbyarbeit der Versicherer"
Seite 4: "Die Einsicht siegt, dass am Entwurf noch Nachbesserungspotential besteht"
Seite 5: "Klassische Versicherungsmakler haben kaum eine Lobby"

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