„Ich glaube nicht an ein Google-Car“

Top News Investmentfonds von Julia Groth

Markus Golinski, Tech-Fondsmanager bei Union Investment, erklärt, wie der Elektromotor und das selbstfahrende Auto die Technologiebranche durcheinanderwirbeln und welche Unternehmen von diesen Trends besonders profitieren.

Markus Golinski, Tech-Fondsmanager bei Union Investment.

Markus Golinski, Tech-Fondsmanager bei Union Investment. Foto: Union Investment

procontra: Herr Golinski, Sie sind seit rund 20 Jahren als Tech-Fondsmanager tätig. Wenn Sie zurückschauen, erkennen Sie die Branche noch wieder?

Markus Golinski: Kaum. Das „Who’s who“ wurde in den vergangenen zwei Dekaden komplett neu geschrieben. Früher standen Unternehmen wie Compaq, Dell oder Hewlett-Packard exemplarisch für zukunftsweisende Technologie. Das hat sich fundamental geändert. Viele spannende Unternehmen von damals sind verschwunden oder wurden aufgekauft, die anderen befinden sich größtenteils in einem Schrumpfprozess. Es wird immer weniger Geld in Hardware investiert. Das Geld fließt heute in andere Bereiche.

procontra: In welche?

Golinski: Besonders interessant sind Unternehmen, die davon profitieren, dass analoge Prozesse ins Digitale übersetzt werden. Das sind vor allem Software-, Internet- und IT-Services-Unternehmen, die sozusagen die Werkzeuge für die Digitalisierung liefern.

procontra: Eine Branche, die besonders stark auf den digitalen Wandel setzt, ist die Automobilindustrie. Macht sich dieser Trend bei Ihrer Titelauswahl bemerkbar?

Golinski: In der Automobilbranche gibt es zwei große Trends: die Elektrifizierung, also den Wandel zum Elektromotor, und das autonome Fahren. Beide Bereiche sind mittlerweile in Bezug auf die Alltagstauglichkeit an einem Punkt angelangt, an dem es auch wirtschaftlich interessant wird. Die großen Autohersteller investieren massiv in Elektromobilität. Das ist kein Zukunftsthema mehr, sondern Gegenwart. Davon profitieren aus meinem Bereich vor allem Halbleiterproduzenten. In einem heutigen Mittelklassefahrzeug mit Verbrennungsmotor sind Halbleiter im Wert von circa 350 US-Dollar verbaut, bei Autos mit Elektromotoren ist der Wert doppelt so hoch. Für Halbleiterhersteller ergibt sich also ein riesiges Wachstumspotenzial.

procontra: Welche Unternehmen haben in diesem Bereich die Nase vorn?

Golinski: Firmen wie Infineon, ST Micro, NXP oder auch das Schwergewicht Texas Instruments sind hier führend und erzielen einen großen Teil ihrer Umsätze mit der Automobilbranche. Für NXP hat Wettbewerber Qualcomm übrigens gerade ein Übernahmeangebot in Höhe von fast 50 Milliarden US-Dollar abgegeben. Das unterstreicht, wie attraktiv dieser Markt derzeit ist.

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