„DIN 77230“ - Was normierte Beratung für Makler interessant macht

Berater Top News von Stefan Terliesner

Bisher von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, bastelt die gesamte Finanzbranche an einem DIN-Standard für die private Finanzanalyse. Banker fragen dann demnächst auch zuerst nach einer BU.

Die „DIN 77230“ wird im Sommer 2017 veröffentlicht.

Die „DIN 77230“ wird im Sommer 2017 veröffentlicht.

Vermutlich kennen bisher nur wenige Makler die Bezeichnung „DIN 77230“. Das könnte sich im Sommer 2017 ändern, wenn die Norm mit dem Arbeitstitel „Basisanalyse der finanziellen Situation von Privathaushalten“ veröffentlicht wird. Sie verschafft zertifizierten Anwendern zwei Vorteile: Erstens können sie damit werben und sich einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten. Zweitens vermindern sie das Risiko einer Falschberatung und haben im Fall einer Klage vor Gericht eine stärkere Position. Für Makler wäre die DIN 77230 also durchaus reizvoll.

„Großer Fortschritt“

„Unter dem Dach des Deutschen Instituts für Normung (DIN) erarbeiten aktuell mehr als 30 Akteure aus der Finanzbranche einen einheitlichen Standard für eine sachgerechte Finanzanalyse“, sagt auf Anfrage eine Sprecherin des Instituts. Die Anwendung der Norm sei grundsätzlich freiwillig. Erst wenn sie zum Inhalt von Verträgen wird oder der Gesetzgeber ihre Einhaltung zwingend vorschreibt, werde eine Norm bindend. Letzterer steht dem Vorhaben wohlwollend gegenüber.

„Es ist eine sehr vielversprechende Entwicklung“, betont Philip Scholz, Pressesprecher des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. Und weiter: „Wenn es gelingt, eine DIN-Norm für die Finanzbranche zu entwickeln, wäre dies ein großer Fortschritt.“  

Maklerpool prescht vor

Und genau danach sieht es aus. Nach Angaben von Klaus Möller, Geschäftsführer  der Defino Institut für Finanznorm GmbH, auf deren Initiative die Normierung in Angriff genommen wurde, geht das neue Regelwerk in wenigen Monaten an den Start. Bei seiner Entwicklung mit dabei sind zum Beispiel Versicherer wie Allianz und Zurich, aus dem Lager der Kreditwirtschaft die Deutsche Bank und die Commerzbank, dann Finanzvertriebe wie Formaxx und OVB, Maklerpools wie Jung, DMS & Cie. und pma, IT-Unternehmen, Wissenschaftler sowie der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Makler von Jung, DMS & Cie. zum Beispiel beraten seit 2013 nach DIN SPEC 77222, quasi dem Vorläufer. Die Spezifikation ist so etwas wie der Bachelor in der Hochschullandschaft. Sie kann beim Beuth Verlag, der zum DIN gehört, erworben werden. Die DIN 77230 wäre dann der „Master“. Im Kern geht es um eine ganzheitliche Finanzberatung.

Die Norm soll eine am Kundenbedarf ausgerichtete und seiner Finanzsituation entsprechende Beratung sicherstellen. Dabei gilt das Prinzip „Absicherung vor Vorsorge“ (siehe Grafik). Verbraucherschützer kritisieren, dass ein und derselbe Kunde heute von zehn Finanzberatern zehn unterschiedliche Empfehlungen erhält. Damit haben sie vermutlich recht.

Die Aussage umfasst aber auch Bankberater und gebundene Vermittler, die nicht im Auftrag des Kunden arbeiten, sondern für ihr jeweiliges Unternehmen.  

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