BaFin lässt Zertifikate-Branche zappeln

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Nachdem die Anbieter mehr Anlegerschutz geloben, stellt die Behörde das Vertriebsverbot für Bonitätsanleihen zurück. Kleine Anlagebeträge sind fortan tabu.

BaFin Liegenschaft in Frankfurt am Main

BaFin Liegenschaft in Frankfurt am Main © Kai Hartmann Photography / BaFin

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) und der Deutsche Derivate Verband (DDV) haben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Selbstverpflichtung für die Emission und den Vertrieb von bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen vorgelegt. Die Industrie reagiert damit auf die Anlegerschutzbedenken, die die Aufsicht hinsichtlich des Retail-Vertriebs dieser Produkte hat. Die BaFin stellt auf dieser Grundlage ihr geplantes Verbot zurück. Sie wird nach sechs Monaten überprüfen, ob das Maßnahmenpaket der Branche wirkt. Dies berichtet die Behörde heute in einer Pressemitteilung. Im Juli hatte die BaFin die Anbieter für die komplexe Produktgestaltung und irreführende Bezeichnung kritisiert.

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Die beiden Verbände DK und DDV empfehlen ihren Mitgliedern Grundsätze für die Emission von „bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen“ zum Vertrieb an Privatkunden. Damit tragen die Vertreter der Produktgeber den Anlegerschutzbedenken der BaFin Rechnung, heißt es in einer gemeinsamen Presseinformation. Gleichzeitig bekräftigen die Verbände, „dass aus ihrer Sicht die Voraussetzungen für den Erlass des Produktverbotes nicht gegeben sind.“

Nach Angaben der Verbände sehen die der BaFin vorgelegten Grundsätze unter anderem vor, „dass ausschließlich einfach strukturierte bonitätsabhängige Schuldverschreibungen zum Zwecke des Vertriebs an Privatkunden in Deutschland emittiert werden.“ Die bisherige Produktbezeichnung „Bonitätsanleihe“ werde durch „bonitätsabhängige Schuldverschreibung“ ersetzt. Die Emittenten werden für ihre Produkte als Referenzschuldner nur noch Unternehmen mit „hinreichender Bonität“ berücksichtigen, heißt es. Was genau darunter zu verstehen ist, wird nicht mitgeteilt. Nach Angaben der Verbände werden bonitätsabhängige Schuldverschreibungen bei der Anlageberatung in Zukunft nicht mehr an Kunden in den beiden geringsten Risikobereitschaftsstufen vertrieben. Außerdem werde es in der Anlageberatung dieser Produkte eine „erweiterte Aufklärung“ geben.

Die Empfehlung der DK und des DDV richtet sich an Banken und Sparkassen in Deutschland, die bonitätsabhängige Schuldverschreibungen emittieren oder vertreiben. Sie soll von den Instituten ab dem 1. Januar 2017 umgesetzt werden.

Mindeststückelung 10.000 Euro

Was die Interessenvertreter der Zertifikate-Branche in ihrem Pressetext nicht erwähnen, ist, dass bonitätsabhängige Schuldverschreibungen nach der neuen Selbstverpflichtung nur noch mit einer Mindeststückelung von 10.000 Euro emittiert werden. In kleinere Anlagebeträge kann nicht mehr investiert werden. Hierauf weist die BaFin hin. „Damit“, so die Behörde, „stellen bonitätsabhängige Schuldverschreibungen kein typisches Kleinanlegerprodukt mehr dar.“ „Wir werden in den nächsten sechs Monaten sehr genau beobachten, ob die Selbstverpflichtung Privatanleger (…) in ausreichendem Maße schützt“, macht Elisabeth Roegele deutlich, die für den Verbraucherschutz zuständige BaFin-Exekutivdirektorin. Soweit dies nicht vollständig sicherzustellen sei, werde die Aufsicht erneut Produktinterventionen einleiten.

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