Zurich holt Hacker nach Köln

Versicherungen Digital von Stefan Terliesner

Tüftler aus aller Welt sollten für den Versicherer kundenorientierte Ideen entwickeln. Dafür wurde die Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung der geplanten Versicherungsplattform geöffnet.

Siegererherung

Bei der Siegererherung: v.l. Dr. Stefan Lemke (Head of IT, Zurich Gruppe Deutschland), Marcus Nagel (Vorstandsvorsitzender Zurich Gruppe Deutschland) und die Erstplatzierten Team Hacker Mates Bild: Zurich

Während immer mehr InsurTechs, also digital agierende Startups in der Versicherungsbranche, den etablierten Versicherern und Vertrieben die Geschäfte streitig machen, holen die Platzhirsche zum Gegenschlag aus.

Nach zum Beispiel der Allianz veranstaltet jetzt die Zurich Gruppe Deutschland einen sogenannten Hackathon, den Zurich freilich InsurHack nennt. Auf Einladung des Versicherers, der bald seinen Firmensitz von Bonn nach Köln verlegt, trafen sich am Wochenende in der Domstadt 130 Hacker aus aller Welt. Sie erhielten 48 Stunden lang Zugriff auf die neue Versicherungsplattform von Zurich. Die Plattform soll erst Mitte 2017 offiziell in den Markt eingeführt werden.

Die Idee hinter dem Hackertreffen: Die IT- und Software-Tüftler sollen neue kundenorientierte Ideen und Anwendungen jenseits des klassischen Versicherungsgeschäfts entwickeln. Dazu wurden 30 Teams gebildet, die dann über die geöffnete Application Programming Interface (API) Zugang zur Zurich-Plattform erhielten. Eine API ist die technische Schnittstelle für die Entwicklung neuartiger Produkte.

Gesucht: Wissen und Kreativität

Der InsurHack fand am Wochenende im Kölner RheinEnergie-Stadion statt. Während der 1. Fußballclub Köln („FC“) auswärts im Derby gegen Borussia Mönchengladbach wichtige Punkte im Kampf um die knappen Champions League-Plätze gewann, sollten die überwiegend unter 30 Jahre jungen Hacker in der Fußballarena lauffähige Lösungen kreieren, die sich auf Basis des neuen Systems weiterentwickeln lassen.
Kurz: Zurich zapfte Wissen und Kreativität an. Damit griff der Versicherer eigenen Angaben zufolge den Ansatz von Startups und großen Anbietern im Consumer Markt auf, welche zuerst Beta-Versionen an Entwickler herausgeben, um frühes und wichtiges Feedback einzusammeln. Zudem nutzte Zurich das Treffen zur Talent-Sichtung.
Die aus Sicht des Versicherers besten Ideen/Anwendungen wurden mit insgesamt 75.000 Euro honoriert.

  1. Platz: Team Hacker Mates entwickelte ein System, das jede eingehende E-Mail eines Kunden mit einem lernenden Algorithmus analysiert, um schließlich personalisierte Versicherungsempfehlungen kundenorientiert automatisiert machen zu können.
  2. Platz: Team Control Experts entwickelte eine einfache End-to-End-Anwendung, die den gesamten Schadenprozess im Bereich Kraftfahrzeugversicherung abbildet und eine kundenorientierte Lösung darstellt.
  3. Platz: Team Fizzy entwickelte vor Ort einen Chatbod (Softwareroboter), der aus gesprochener Sprache Befehle erkennt und auf anderen Plattformen, wie beispielsweise Facebook oder Skype, eingebunden werden kann.

Für Marcus Nagel, Vorstandvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland, war der erste InsurHack „ein voller Erfolg“. Voraussichtlich im Sommer 2017 werde die zweite Auflage stattfinden. Dann hat der FC möglicherweise seine Champions League-Teilnahme gesichert.

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