Traditionelle Versicherer verlässlicher als InsurTechs

Berater von Michael Fiedler

Noch haben etablierte Versicherungen einen Vertrauensvorsprung gegenüber InsurTech-Start-ups. Doch einer Befragung zufolge schmilzt dieser Vorsprung.

Claudia Lang, Gründerin und Geschäftsführerin von Community Life

Claudia Lang, Gründerin und Geschäftsführerin von Community Life Bild: Stefan Behrens

Weniger Bürokratie (52%), mehr Transparenz (51%) und das fairere Preis-Leistungsverhältnis (54%) – diese Vorteile schreiben junge Internetnutzer (18-35 Jahre alt) vor allem Start-ups zu. Ermittelt hat das eine Befragung des InsurTechs Community Life unter 1.000 volljährigen Internetnutzern.

Widersprechen diese Befragungsergebnisse der jüngst veröffentlichten GDV-Studie, wonach sich zwar ein Großteil der Deutschen (82 %) im Internet informiert, doch nur jeder Dritte auch online abschließt?
Nein, so das FinTech Community Life. Bemerkenswerter sei der Umkehrschluss: Denn 45 Prozent der Befragten könne sich einen Online-Abschluss vorstellen.

Als große Stärke der Start-ups gilt die einfache Kommunikation über das Internet: In allen Altersstufen ist die Mehrheit der Befragten einig, dass die Neugründungen in dieser Hinsicht den besseren Service liefern. In anderen Aspekten klafft die Beurteilung auseinander. So glauben 38 Prozent der Befragten bis 35 Jahren, dass InsurTechs eher im Interesse des Kunden beraten als Versicherungen. Bei den über 55-Jährigen sind es nur 27 Prozent.

Ein Imageproblem haben die neuen Marktteilnehmer hinsichtlich der Produktqualität: Nur jeder fünfte Befragte glaubt, dass die Policen der Start-ups leistungsstärker sind als die der etablierten Versicherer. „Hier ist noch Aufklärungsarbeit notwendig", erläutert Claudia Lang, Co-Gründerin und Geschäftsführerin von Community Life. „Denn auch bei den meisten Policen, die von Start-ups vermittelt werden, tragen klassische Versicherungen im Hintergrund die Risiken.“ Die Produktqualität sei deshalb ähnlich oder sogar besser.

Neben dem Alter der Befragten spielt der Bildungsgrad eine wichtige Rolle für die Beurteilung der Angebote. Je höher der Bildungsabschluss, desto stärker das Vertrauen zu den neuen Anbietern: Befragte mit Volks- oder Hauptschulabschluss beurteilten die Start-ups in allen elf Aspekten der Umfrage als unterdurchschnittlich. Hochschulabsolventen hingegen trauen InsurTech-Unternehmen in sechs Disziplinen spürbar mehr zu als der Durchschnitt der Befragten. „Wir sehen hier die klassische Entwicklung eines Marktes im Umbruch“, so Lang. „Junge Menschen mit hohem Bildungsgrad haben oft eine Vorreiterrolle. Bald werden die neuen Angebote vom Massenmarkt akzeptiert.“

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