Software allein macht noch keine gute Beratung

Berater Top News von Frank Dietrich

Das Gros der Maklerschaft setzt in der Beratung Softwaretools ein. Doch damit sind auch Tücken verbunden, schildert Makler Frank Dietrich im Gastbeitrag. Seine Botschaft: Eine Software allein macht noch keine gute Beratung.

Frank Dietrich

PKV-Fachmakler Frank Dietrich erklärt im Gastbeitrag, warum der Einsatz von Software keine Beratung ersetzt. Bild: Frank Dietrich / pixabay

Um die unterschiedlichen Tarifmerkmale - gerade auch in der Privaten Krankenversicherung - bewerten zu können, ist Spezialisierung erforderlich. Zum Zwecke der Analyse, welche Leistung von wem angeboten wird, kann eine Software durchaus sinnvoll sein. Immer wieder aber verwechseln Vermittler die Software mit der Beratung selbst. Das ist vergleichbar mit der Annahme, dass die Hebebühne in einer Werkstatt den Wagen repariert, nicht aber der Mitarbeiter. Ich habe mir in den letzten Wochen die Auszüge verschiedener am Markt verbreiteter Softwaren zukommen lassen.

Dabei ist besonders zu berücksichtigen, dass die Angabe, ob etwas versichert ist, alleine nicht ausreicht. Wo liegen Begrenzungen, wo Obliegenheiten, die einzuhalten sind, damit die Leistungen versichert sind? Gibt es Fristen oder Einschränkungen im Versicherungstext? Der Gesetzgeber hat den Aufbau der Privaten Krankenversicherung als "Regelwerk" tituliert. Diesbezüglich gibt es viele Urteile, die belegen, dass ein Mandant, der sich privat versichert hat/sich privat versichern will, davon auszugehen hat, dass Leistungen, die in einem Teil des Regelwerkes aufgeführt, in einem anderen Teil, begrenzt oder sogar negiert werden.

Betrachten wir die Softwaretools am Markt, so reicht die Benchmark der Bewertung viele Jahre zurück. Sehr wichtige Veränderungen, insbesondere die nach 2012, sind nicht in der Bewertung berücksichtigt. Trotz dieses Umstandes, also der veralteten Benchmark, bewertete ein Vermittler im Internet in einem Thread die Software als sehr gut! Jeder Vermittler hat selbst zu entscheiden, wie wichtig ihm die Details im Versicherungsschutz sind, die er seinem "Schutzbedürftigen", also dem Kunden selbst, schuldet. Er haftet dafür.

Auch gibt es die Darstellung in sogenannten Erfüllungsbarometern. Dazu folgende Überlegung: Stellen wir uns vor, dass wir ein Auto reparieren. Es bleiben drei Schrauben übrig. Sofern diese aus dem Motorraum stammen, sollte man den Wagen nicht starten. Gehören sie aber zur Aufhängung der Stoßstange, kann man beruhigt losfahren. Was will ich damit sagen?

Es ist nicht die Menge der Punkte in der Addition entscheidend für die Qualität, sondern an welcher Stelle die Zusagen zur Leistung gegeben werden. Es ist deshalb nicht ausreichend, den Tarif nur nach dem Erfüllungsbarometer der jeweils eingesetzten Software zu bewerten. Vielmehr kann, je nach Benchmark der Bewertung, guter Versicherungsschutz mit minderwertigem Versicherungsschutz gleichgestellt werden. Der Kunde kauft dann nach Preis und der Vermittler haftet für die nicht versicherten Sachverhalte, die er nicht wusste und nicht dokumentieren konnte. Mutig oder dumm?

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