PKV: Unmögliche Flucht vor steigenden Beiträgen

Versicherungen Top News von Dr. Johannes Fiala/ Peter A. Schramm

Die Versicherer können das Geld absehbar nicht mal gegen real positive Zinsen ausleihen, sondern legen es sozusagen in den Tresor. Sie müssen jedes Jahr Kassensturz machen und wenn sie von dem anvertrauten Geld etwas verloren haben, oder auch nur weniger als die 3 % im Mittel an Garantiezins verdient haben, dann müssen sie es mit ihrem eigenen Kapital ersetzen.

Die Versicherer müssen jedes Jahr prüfen, ob sie nicht vielleicht dem Kunden mehr schulden als sie noch haben. Eine Aktienkrise oder einen Sturz der Anleihepreise können sie nicht über Jahresende hinaus aussitzen, es sei denn, sie haben genug Eigenkapital. Der legale Bilanztrick über stille Lasten erwirtschaftete Verluste zu verstecken und auszusitzen kann diese Gefahr nicht beseitigen.

Also werden die Versicherer erzogen, sich so zu verhalten wie der unnütze Knecht mit den anvertrauten Talenten. Heutige Regularien sind schon noch zeitgemäß, wenn es um Garantien geht. Nur Garantien zu erwarten ist nicht zeitgemäß, wenn man dafür nach 30 Jahren Sparen die Beiträge und sonst nichts zurückbekommt. Für ein langfristiges Geschäft wie das Versicherungsgeschäft mit einem "Ausgleich in der Zeit" über Jahre passt kein jährlicher Kassensturz. Das ist wie wenn man dem Knecht sagt, er möge etwas riskieren und einen ordentlichen Ertrag bringen, aber in Aussicht stellt, dass man mit dem Säbel jeden Abend vorbeikommt um nachzuschauen, ob das Geld noch vollzählig da ist.

Für jemanden, der Rendite will, ist es völlig widersinnig, das Geld jemandem zu geben, der dafür garantieren soll. Zudem noch ständig, weil VN beim Lebensversicherer monatlich kommen können um den garantierten Rückkaufswert zu verlangen. Anders ist dies bei britischen Versicherern, wo es eine Garantie zum Ablauf in 30 Jahren gibt, aber dazwischen keine. Die gesetzliche Regulierung treibt mithin die PKV-Prämien nach oben und die Lebensversicherungsleistungen nach unten.

Noch kaum Nachfrage durch Versicherte im Standardtarif

Wer 55 Jahre alt ist oder bereits eine (EU-)Rente bezieht, und weniger als die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG, 2016: 56.250 €) verdient, oder wer den 65ten Geburtstag erreicht hat, könnte in den Standardtarif wechseln, wenn er sich bis 2008 PKV-versichert hat. Die kassenärztlichen Vereinigungen benennen auf Nachfrage Ärzte/ZÄ, die bereit sind, zu den Konditionen des Standardtarifes zu behandeln. Diese haben einen gesetzlichen Sicherstellungsauftrag.

In mancher Großstadt gibt es einen solchen Arzt mit Praxis im vierten Stock ohne Aufzug, wo die Patienten im Hausflur warten müssen, etwa im Glasscherbenviertel. Der versteht aber vielleicht nur arabisch oder Zeichensprache. Man muss halt darauf deuten, wo es weh tut. Alternative: Man wartet bis Samstags und geht dann zur Notfallambulanz z.B. ins Krankenhaus.

Wer in der Hoffnung, dass die Schmerzen entweder abnehmen oder man stirbt erst dann dorthin geht, wenn beides nicht eingetreten ist, wird auch als Notfall im Notlagentarif durchgehen. Wenn die Zahl der Versicherten im Standardtarif zunimmt, wird es auch mehr Angebote geben. Früher mussten die Autofahrer sich auch ihr Benzin in Halbliterflaschen aus der Apotheke besorgen. Dafür findet man heute nur noch selten vor der Gaststätte einen Pfosten, wo man sein Pferd anbinden kann.

* von Dr. Johannes Fiala, RA (München), RB, VB, MBA Finanzdienstleistungen (Univ.), MM (Univ.), Geprüfter Finanz- und Anlagenberater (A.F.A.), Bankkaufmann (www.fiala.de)
und
Dipl.-Math. Peter A. Schramm, Sachverständiger und Versicherungsmathematik (Diethardt), Aktuar DAV, öffentlich bestellt und vereidigt von der IHK Frankfurt am Main für Versicherungsmathematik in der privaten Krankenversicherung (www.pkv-gutachter.de)

Seite 1: Niedrigzins trifft jüngere Versicherte stärker
Seite 2: PKV nur etwas für Wohlhabende?
Seite 3: Altersversorgung auch ohne Zinseszins?
Seite 4: Noch kaum Nachfrage durch Versicherte im Standardtarif

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare