PKV: Unmögliche Flucht vor steigenden Beiträgen

Versicherungen Top News von Dr. Johannes Fiala/ Peter A. Schramm

Die Verteuerungen in der PKV haben zahlreiche Gründe, der derzeitige Niedrigzins ist nur eine Ursache. Warum dieser besonders jüngere Versicherte trifft und ob die PKV nur etwas für Wohlhabende ist, erläutern Dr. Johannes Fiala und Peter A. Schramm in einem Gastbeitrag.

Ist die PKV nur etwas für Wohlhabende? Dieser und weiterer Fragen widmet sich Dr. Johannes Fiala in seinem Gastbeitrag.

Ist die PKV nur etwas für Wohlhabende? Dieser und weiterer Fragen widmet sich Dr. Johannes Fiala in seinem Gastbeitrag. Foto: Fiala

Zur Teuerung in der PKV trägt vieles bei. Beispielsweise Umlagen zur Quersubventionierung für den Basis-, Standard- und Notlagentarif. Wer seine PKV vor dem 01.01.2009 abgeschlossen hat kann auch in den Standardtarif wechseln – die anderen nur in den Basistarif. Auch das fehlende Kündigungsrecht des Versicherers (VR) bei Beitragsverzug verteuert die PKV. Ebenso dass immer weniger Kunden ihre PKV wechseln oder zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zurückgehen und ihre Alterungsrückstellungen (AR) zurücklassen. Dazu die längere Lebenserwartung. Ferner die Möglichkeit der Ärzte, teurere und mehr Behandlungen zu propagieren, also Patienten zu steuern.

Steigende Rückstellungen lassen die Beiträge anwachsen

Mindestens 10% des PKV-Beitrags ist ähnlich einer Lebensversicherung beim PKV-Versicherer zur Beitragsentlastung im Alter zurück zu legen. Versicherungsmathematisch werden Beiträge nach dem jeweils erreichten Alter erhöht. Wenn also ein Tarif im erreichten Alter um sechs Prozent erhöht wird, der Versicherte aber wegen seiner Vorversicherungszeit oder der beim früheren Tarifwechsel angerechneten Alterungsrückstellung nur die Hälfte des Neuzugangsbeitrags seines erreichten Alters zahlt, beträgt die gleiche absolute Erhöhung bei ihm schon rund zwölf Prozent.

Insofern ergeben sich „scheinbar” hohe Anpassungsprozentsätze also auch aus günstigen Beiträgen infolge hoher Alterungsrückstellungen, insbesondere auch nach Tarifwechseln.

Niedrigzins trifft jüngere Versicherte stärker

Bei den Älteren fallen indes über die Restlaufzeit bis Lebensende bei den Alterungsrückstellungen kaum mehr Zinsen an, so dass sich auch ein verminderter Rechnungszins nicht stark auswirkt. Die Auswirkung tritt eher in jungen Jahren am stärksten ein, weil ja dann über eine sogar noch weiter steigende AR der kalkulierte Zins auf Jahrzehnte fehlt, was durch höhere Beiträge ausgeglichen werden muss.

Die Ursache hoher Beitragsanpassungen liegt beispielsweise auch am Nachholbedarf, wenn Beiträge bis zu mehr als 5 Jahre lang nicht angepasst werden durften, und sich seitdem die Verhältnisse im Tarif stark geändert haben, bei allen Berechnungsgrundlagen. Wegen § 204 VVG kann sich ein Versicherer gegen tendenziell kränkere Wechsler aus höherwertigen Alttarifen leider auch nicht wehren. Wenn dann durch kranke Wechsler das ehemals gesunde und damit relativ preiswerte Tarifkollektiv sich hin zu einem schlechteren Gesundheitszustand verschiebt, müssen stärkere Beitragsanpassungen folgen.

Vorher einkalkulieren kann und darf man solche Effekte als VR nicht. Gerade diese Wechsler sowie die lang Versicherten sind dann von den prozentual stärksten Anpassungen betroffen. Tausende Euros für einen Tarifwechsel-Makler, war dann später erkennbar eine Fehlinvestition gewesen.

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