Lebensversicherer im Gesundheitscheck

Versicherungen Top News von Stefan Terliesner

Assekurata hat die Ertragskraft und die Ertragsreserven von 75 Anbietern untersucht. Die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus. Makler sollten die Unterschiede kennen.

Dr. Reiner Will

Geschäftsführer bei Assekurata: Dr. Reiner Will. Foto: Assekurata

Wie ist es unter den extrem niedrigen Zinsen um die Ertragskraft der Lebensversicherer bestellt? Und wie viel Ertragspuffer weisen sie zur Erfüllung ihrer garantierten Leistungsverpflichtungen noch auf? Diesen Fragen ist die Ratingagentur Assekurata in einer neuen Untersuchung nachgegangen. Laut Pressetext haben die Kölner Analysten 75 deutsche Lebensversicherer einem „Ertragskraft-Garantie-Check“ unterzogen. Die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus.

Break-Even-Nettoverzinsung steigt

Für die Studie hat Assekurata einige neue Kennzahlen und Auswertungen entwickelt. Ein Beispiel sei die Break-Even-Nettoverzinsung, welche die grundsätzliche Abhängigkeit der Lebensversicherer von ihrem Kapitalanlageergebnis widerspiegelt. Assekurate erklärt: „Je höher die Kennzahl ausfällt, desto mehr Kapitalanlagerendite muss ein Lebensversicherer erzielen, um Verluste beim Rohüberschuss zu vermeiden. Infolge der hohen Rechnungszinsanforderungen aus Altgarantien und Zinszusatzreserve (ZZR) steigt die Break-Even-Nettoverzinsung in der Branche immer weiter an. Im Jahr 2015 lag sie mit durchschnittlich 3,22 % auf dem bisher höchsten Niveau. Dies bedeutet, dass eine Nettoverzinsung unterhalb von 3,22 % rechnerisch zu einem negativen Branchen-Rohüberschuss geführt hätte.“

Zinszusatzreserve steigt und steigt

Angesichts der schwierigen Zinsbedingungen sei diese Renditeanforderung auf lange Sicht äußerst herausfordernd, meint Assekurata. Schon im Jahr 2015 sei bei rund der Hälfte der Marktteilnehmer die ZZR-Zuführung höher ausgefallen als der danach verbleibende Rohüberschuss. Anhand aktueller Hochrechnungen in der Studie prophezeien die Kölner Versicherungsanalysten bis zum Jahr 2025 branchenweit ein ZZR-Volumen von 150 Mrd. € bis 240 Mrd. €.

Die Anforderungen an den Kapitalanlageertrag fielen zwischen den Anbietern sehr unterschiedlich aus und hingen stark vom individuell vorhandenen Geschäftsmix ab. Bei einem Dutzend Anbieter liege die Break-Even-Nettoverzinsung oberhalb von 4 %. Einige Gesellschaften mit anders gelagertem Geschäftsprofil profitierten dagegen von einer viel geringeren Break-Even-Nettoverzinsung und könnten sich zum Teil sogar eine negative Nettoverzinsung leisten.

Alternative Ergebnisquellen müssen her

Die unterschiedlichen Bestandsvoraussetzungen spiegelten sich auch in den Rechnungszinsanforderungen der Gesellschaften wider. Dabei reichten nach Angaben von Assekurata im Jahr 2015 bei 20 Unternehmen die anzurechnenden Kapitalerträge aus den Kundengeldern im Sinne der Mindestzuführungsverordnung (MindZV) nicht mehr aus, um die Rechnungszinsverpflichtungen vollständig zu bedienen. Dies erhöhe den Druck auf alternative Ergebnisquellen und lasse die Querverrechnungsgefahr zwischen den Ergebnistöpfen steigen. Hiervon seien dann auch die Kunden einer Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung betroffen, die im Falle einer Querverrechnung aus dem Risikoergebnis mit höheren Beiträgen zu rechnen hätten. (Siehe hierzu auch procontra-online.de)

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