Was macht eigentlich... ein Robo Adviser?

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Michael Fiedler

Lars Reiner, Gründer und Geschäftsführer des Frankfurter Robo Advisors Ginmon, erklärt im Kurzinterview, welche Vorteile Robo Advisers haben und was man braucht, wenn man selbst in ETFs anlegen will.

Lars Reiner, Gründer und Geschäftsführer des Frankfurter Robo Advisors Ginmon

Erklärt im Kurzinterview die Vorteile von Robo Advisers: Lars Reiner. Bild: Ginmon

procontra:Was ist der Vorteil eines Robo Advisers?

Lars Reiner: Ein Robo Adviser ermöglicht Privatpersonen Zugang zur professionellen Vermögensverwaltung, für die es früher die Hürde gab, dass man schon sehr vermögend sein musste. Der Kunde legt das Geld dabei in ein digital verwaltetes ETF-Portfolio an. Dies senkt die Kosten erheblich, denn die Kosten für den Fondsmanager machen bei klassischen Investmentfonds einen Großteil der Fondsgebühren aus.

procontra: Warum kann man nicht einfach selbst in ETFs anlegen?

Reiner: Natürlich kann man das. Aber entweder man kauft einen einzigen ETF und verlässt sich darauf, dass er gute Rendite abwirft, oder man versucht, sich selbst ein Portfolio zusammenzustellen. Aber das verlangt profunde Marktkenntnisse, schnelles Ausführen von Transaktionen – und vor allem: eine Strategie. Das kann man nicht nebenbei machen. Robo Advisor stellen ein Kundenportfolio zusammen, das aus mehreren ETFs besteht. Die Zusammenstellung erfolgt anhand der Risikoeinschätzung des Kunden. Aber damit allein ist es nicht getan. Weil sich die Werte in den Portfolien laufend verändern, muss in regelmäßigen Abständen ein Rebalancing durchgeführt werden, also Titel verkauft oder Positionen weiter aufgestockt werden, bis die Ursprungskonstellation wieder erreicht ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das emotionslose Anlegen. Emotionen sind der größte Feind des Anlegers. Die meisten Anleger tendieren dazu, mit dem Strom zu schwimmen oder auch hektisch auf Börsenmeldungen zu reagieren. Selbst Fondsmanager sind davor nicht immer gefeit. Robo Adviser kennen hingegen keine Emotionen und sind viel eher in der Lage, antizyklisch vorzugehen.

procontra: Was unterscheidet Ginmon von anderen Robo Advisern?

Reiner: Ginmon hat einen Algorithmus entwickelt, der auf einem streng wissenschaftlichen Anlagekonzept aufgebaut ist. Grundlage der Ginmon-Strategie ist das 1993 von den beiden US-Amerikanischen Portfoliotheoretikern Eugene Fama und Kenneth French entwickelte Dreifaktorenmodell. French und Fama konnten nachweisen, dass bestimmte Faktoren, wie Marktrisiko, geringe Marktkapitalisierung und hoher Buchwert über 90 Prozent der Portfoliorendite ausmachen. Das erhöhte Risiko, das man für die Faktorprämien eingeht, lässt sich durch eine weltweite Diversifizierung wieder ausgleichen. Fama erhielt übrigens für seine vorherige Arbeit im Rahmen der Effizienzmarkthypothese 2013 den Nobelpreis.

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