Niedrigzins: „Das größte Risiko ist, nichts zu tun“

Berater von Michael Fiedler

Wie reagieren Bundesbürger auf die Herausforderungen durch Niedrigzinsen? Die Deutsche Bank ließ das Anlegerverhalten untersuchen.

Dr. Ulrich Stephan

Will auch er die Niedrigzinsen aussitzen und verschlafen? Fotolia / eyetronic

Wie sagt man den Bundesbürgern, dass ein „Weiter-so“ auch in Sachen Geldanlage nicht funktioniert?
Die krisengeschüttelte Deutsche Bank versucht es mit eigenwilligem Charme: „Viele Deutsche waren immer kluge Sparer. Aber die Zeiten haben sich geändert“, lässt sich Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, zitieren. Angesichts der Nullzinsen, müssten sich Anleger überlegen, welche Risiken sie bereit sind, zu tragen. Das Geld gestreut werden und man müsse sich mit anderen Anlageklassen, wie etwa Aktien beschäftigen, so Dr. Stephan. Und weiter: „Das größte Risiko ist mittlerweile, gar nichts zu tun.“

Diese Warnung gilt einem Großteil der Bundesbürger. Denn den Umfrageergebnissen zufolge, will fast die Hälfte der Deutschen das Zinstief am liebsten aussitzen und kein höheres Risiko bei der Geldanlage in Kauf nehmen: Die Befragten bevorzugen nach wie vor Spareinlagen (20 Prozent), Tages- und Festgelder (19 Prozent) sowie Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen (14 Prozent). Nur 13 Prozent planen in Aktien anzulegen, 7 Prozent in Investment-Fonds.

Aufklärung dringend nötig

Doch warum tun sich die Deutschen schwer, andere Geldanlagen zu berücksichtigen? Auch dazu liefert die Befragung Antworten. Für 73 Prozent der Befragten ist Sicherheit der wichtigste Aspekt bei der Geldanlage. Entsprechend ziehen fast zwei Drittel (62 Prozent) der Privatanleger risikoreichere Anlageklassen wie Wertpapiere nicht in Betracht: Mehr als die Hälfte der Befragten trauen sich nicht, Sparanlagen in Wertpapiere umzuschichten, weil sie zu wenig davon verstehen (56 Prozent), oder weil sie Aktien, Fonds oder Zertifikate generell für kompliziert und unverständlich halten (55 Prozent).

Nur rund ein rund Viertel der Deutschen (24%) fühlt sich gut über die verschiedenen Möglichkeiten der Geldanlage informiert – unter Wertpapierbesitzern ist dies dagegen rund die Hälfte (49%). Außerdem hält sich in der Bevölkerung das Vorurteil, dass Aktien nur etwas für Leute mit Geld seien (47 Prozent).

„Dieses Ergebnis zeigt einmal mehr: Wir müssen erklären, weshalb und für wen Aktien, Fonds oder Zertifikate im Zinstal sinnvoll sein können. Wir wollen, dass die Altersvorsorge der Deutschen sicher bleibt und ihr Wohlstand nicht gefährdet wird. Und die Zeit drängt“, ergänzt Stephan.

Über die Umfrage
Zwischen dem 1. September und 12. September 2016 nahmen an der repräsentativen Online-Befragung der Deutschen Bank „Geldanlage in Niedrigzinszeiten“ 500 Bundesbürger teil.

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