„Kein Rabatt gegen Daten“

Versicherungen von Stefan Terliesner

Allianz-Vorstandschefin der Krankenversicherung Birgit König betont, eine andere Strategie als Generali fahren zu wollen. Sie weiß die Finanzaufsicht in diesem Punkt an ihrer Seite. Kommt „Vitality“ in der PKV überhaupt?

Die Allianz will in der PKV einen anderen Weg einschlagen als die Generali.

Die Allianz will in der PKV einen anderen Weg einschlagen als die Generali. Foto: Allianz

In der PKV schlägt die Allianz einen anderen Weg ein als Generali. Gegenüber der Börsen-Zeitung wiederholte Birgit König, Vorstandsvorsitzende der Allianz Krankenversicherung, was Recherchen von procontra-online im März ergaben.

Die Münchener werden in der PKV keine Tarife anbieten, die die Kunden für die Preisgabe von Daten belohnen. „Das ist keine gute Idee“, sagte sie über derartige Angebote. Das sieht Giovanni Liverani ganz anders. Der Generali-Vorstandschef hatte der Zeitung zufolge im Sommer erklärt, sein Haus arbeite an Angeboten für die deutsche Krankenversicherung.  

Finanzieller Vorteil für Telematik-Kunden  

Offenbar ziehen sich die Arbeiten hin. Denn gegenüber procontra-online  sagte ein Generali-Sprecher bereits Ende 2015, dass möglicherweise im ersten Halbjahr 2016 auch in der PKV ein Tarife aus der Produktreihe „Vitality“ auf den deutschen Markt kommt. Doch zum 1. Juli ging Generali zunächst nur in der Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung mit einem Vitality-Tarif an den Start.

Kunden, die sich für das Angebot entscheiden, lassen unter anderem zum Beispiel mit Fitnessarmbändern (Wearables) ihr Bewegungsprofil erfassen. Verhält sich der Kunde ausreichend gesundheitsbewusst, erhält er von Generali finanzielle Vorteile.  

Doch Verbraucherschützer und auch die Finanzaufsicht BaFin warnen vor solchen Modellen. Aus Sicht von BaFin-Präsident Felix Hufeld besteht in der Krankenversicherung das Risiko, dass der Gedanke des kollektiven Versicherungsschutzes „atomisiert werden könnte“. Angesichts des Gegenwindes kommt bei Beobachtern die Frage auf, ob Generali in der PKV überhaupt noch einen Telematik-Tarif auflegt.  

Höhere Beiträge für die anderen Kunden  

Mit dem Kollektiv argumentiert auch Allianz-Vorstandschefin König: Gerade aus Kundensicht sei das Teilen von Daten aus Wearables mit Versicherungen nicht empfehlenswert. „Zum einen sollten derartige Daten allein schon mit Blick auf den Datenschutz nicht beim Versicherer landen‘‘, sagte sie der Börsen-Zeitung. Zum anderen würden solche Tarife das Grundprinzip des Versicherungskollektivs Aushebeln. Grundsätzlich hält sie es für fraglich, inwieweit Rabatte in der Krankenversicherung mit dem Versicherungsgedanken vereinbar sei.  

Wenn einem Teil des Kollektivs ein Beitragsabschlag zugestanden werde, müsse dafür ein anderer Teil höhere Beiträge zahlen. Für Krankenversicherer sei bei der Frage ,,Fitnessrabatt‘‘ zudem eine Erkenntnis wichtig: Die Gesundheitskosten verringern sich im Schnitt nur geringfügig, wenn die Kunden beispielsweise mehr Sport treiben: ,,Für einen Pseudovorteil, der im Promillebereich liegt, eine Kollektivaufsplittung zu machen, das macht keinen Sinn.“, zitiert die Zeitung die Managerin.

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