Grund moniert hohe Vermittlungsgebühren

Berater Top News von Martin Thaler

Bei den Vertriebskosten sieht der BaFin-Exekutivdirektor bei den Lebensversicherer noch großen Nachholbedarf. Deren Kunden kann er indes wenig Hoffnung auf steigende Renditen machen.

Kann Lebensversicherung-Kunden nur wenig Hoffnung machen: Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund.

Kann Lebensversicherung-Kunden nur wenig Hoffnung machen: Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund. Foto: Bafin

2018 soll das Lebensversicherungsreformgesetz planmäßig überprüft werden – und aus Sicht von Frank Grund, Chef der Versicherungsaufsicht bei der BaFin, gibt es immer noch Nachbesserungsbedarf. Denn bei den Kosten besteht aus seiner Sicht bei den Versicherern noch viel Luft nach oben.  „Da müssen Versicherer noch mehr tun. Die Vertriebskosten sind weiter sehr hoch“, sagte Grund im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Zwar sei der Markt durch Vergleichsportale in Bewegung geraten. „Allerdings sehen wir derzeit dadurch noch keine Kostenentlastungen. Im Gegenteil: Wegen der hohen Vermittlungsgebühren scheinen die Vertriebskosten eher zu steigen“, monierte Grund.

Auch für Besitzer von Lebensversicherungen hatte Grund keine wirklich guten Nachrichten parat: Denn die Niedrigzinsen bleiben für die Unternehmen, aber auch für deren Kunden, die mit sinkenden Renditen konfrontiert sind, weiterhin ein Problem. So müssten die Unternehmen in diesem Jahr rund 13 Milliarden Euro als Zinszusatzreserve zurücklegen, um die hochverzinsten Verträge der vergangenen Jahre absichern zu können. „In den kommenden beiden Jahren wird der Betrag voraussichtlich noch einmal steigen“, prophezeite Grund.

Einige Unternehmen hatten bereits reagiert und ihr Lebensversicherungsgeschäft an Run-off-Spezialisten verkauft. Zuletzt hatte die Arag angekündigt, ihren Bestand an die Frankfurter Leben veräußern zu wollen. Deren Chef hatte daraufhin vergangene Woche die Aussage getätigt, dass die Zahl der Lebensversicherer in den kommenden Jahren um gut ein Drittel auf dann 60 Unternehmen zurückgehen werde.

Dies sieht Grund allerdings anders. So liege der Finanzaufsicht derzeit nur ein Run-off zur Bearbeitung vor, ein weiterer sei angekündigt. Namen nannte Grund hier allerdings nicht. „Die große Euphorie im Markt ist raus, das war eher ein medialer Hype“, vermutete Grund. Denn als Allheilmittel gegen die niedrigen Zinsen will der Aufsichtschef den Verkauf nicht verstanden wissen. Schließlich würden solche Transaktionen nur in den wenigsten Fällen finanzielle Vorteile für die Käufer bieten. Es mache nur Sinn, , «wenn man große Kostenvorteile etwa durch deutlich überlegene Verwaltungssysteme hat, insbesondere eine leistungsfähige IT“, sagte Grund.

Zudem versprach er, dass Kunden durch solche Verkäufe nicht zur bloßen Manövriermaße degradiert werden sollen – die Belange der Verbraucher sollten stattdessen gewahrt werden. „Darauf wird die BaFin streng achten“, so Grund.

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