Digitaler Arztbesuch für Privatpatienten

Versicherungen Top News von Stefan Terliesner

Der erste Krankenversicherer bietet seinen Kunden Online-Video-Sprechstunden mit dem Hausarzt an. Der Ausbau von Telemedizin-Angeboten wird weiter vorangetrieben. Derweil läuft sich Insurtech Ottonova warm.

Ärztin und Patient

In Zukunft findet die Sprechstunde online statt. Bild: Axa Gruppe

Der Hausarzt kommt jetzt tatsächlich nach Hause - als digitaler Arzt per Online-Video-Sprechstunden. Während Patienten bisher ihren „Hausarzt“ bei Folgeterminen und für Beratungsgespräche in der Regel in dessen Praxis aufsuchen müssen, kann der „persönliche“ Kontakt nun vom heimischen Bett oder Sofa aus erfolgen. Die Axa Krankenversicherung AG und die Pro Versorgung Care, eine Initiative des Deutschen Hausärzteverbandes, bieten Patienten und ihren Hausärzten ab sofort und erstmals im privaten Krankenversicherungsmarkt die Möglichkeit, online per Video Sprechstunden durchzuführen. Das Angebot gilt nur für Patienten mit einer Krankenvollversicherung bei Axa.

Anbindung für Fachärzte

Wie der Versicherer mitteilt, soll im Rahmen eines Projektes die „telemedizinische Versorgung“ gefördert werden. Die Plattform ermögliche einen ortsunabhängigen und zeitlich flexiblen Kontakt zwischen Patienten und ihrem Hausarzt. Voraussetzung sei, dass der Patient bereits bei dem Hausarzt in Behandlung ist. Das Projekt werde evaluiert und weiter entwickelt. Hausärzte könnten sich bei der Pro Versorgung Care für den Vertrag einschreiben. Ab 2017 sollen auch Fachärzte in die telemedizinische Struktur eingebunden werden

Um eine Online-Sprechstunden zu starten, generieren die Ärzte individuelle Termin-TAN-Codes und stellen sie den Patienten zur Verfügung. Die Patienten loggen sich dann zum vereinbarten Zeitpunkt mit ihrer Termin-TAN am Rechner ein und gelangen in die Online-Sprechstunde mit ihrem Arzt, berichtet Axa. Patienten und Ärzte hätten so per Webcam die Möglichkeit zum Dialog, zum Beispiel zu Themen wie Therapieentscheidungen, Befunden oder zu alternativen Behandlungswegen. Die Teilnahme für Patienten sei freiwillig und kostenfrei. Ärzte erhielten eine Vergütung für Beratung und Durchführung.

Start-up verspricht günstige Beiträge

Stephen Brenzek, Leiter Gesundheitsmanagement bei Axa, ist überzeugt, „dass telemedizinischen Serviceangeboten die Zukunft gehört.“ Und Nicole Richter, Vorstand der Pro Versorgung Care, stellt klar: „Dieses Angebot kann und soll den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt natürlich nicht ersetzen, sondern vielmehr eine sinnvolle Ergänzung der hausärztlichen Versorgung sein.“ Soweit die Meldung des Versicherers. 

Das Angebot von Axa macht die Beiträge für die Versicherten nicht unbedingt günstiger. Vielmehr ist es ein zusätzlicher Service. Mit dem Ziel, für Versicherte „gesunde“ Beiträge - womit wohl niedrige Beiträge gemeint sind -, zu realisieren, geht im nächsten Jahr das Münchener Unternehmen Ottonova an den Start. Die Policen sollen ausschließlich online verkauft werden. Auch in Sachen Gesundheitsvorsorge will das Start-up-Unternehmen digital punkten. procontra-online berichtete darüber. Ottonova, für dessen Namen der Wegbereiter der gesetzlichen Sozialversicherung, Otto von Bismarck, Pate stand, wäre der erste rein digital aufgestellte Krankenversicherer in Deutschland. Die Zulassung der Finanzaufsicht BaFin steht noch aus, wie Ottonova-Gründer und -Chef Roman Rittweger auf Anfrage mitteilte.
Die Aufsicht verlangt unter anderem Eigenkapital und ein funktionierendes Risikomanagement. Zumindest was sogenannten Telematik-Tarife in der privaten Krankenversicherung betrifft, hatte die Behörde im April vor einer Erosion des Kollektivgedankens in der Assekuranz infolge der Digitalisierung gewarnt.

US-Vorbild Oscar

Vorbild für Ottonova ist der US-amerikanische Krankenversicherer Oscar, der vor vier Jahren den Betrieb aufnahm (www.hioscar.com). Nach Angaben der Versicherungsforen Leipzig macht Oscar hohe Verluste, ist aber dennoch mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Woher die Bewertung stammt, nennen die Foren nicht. Um einen transparenten Börsenwert handelt es sich nicht, da das Start-up-Unternehmen nicht an der Börse notiert ist. Die Idee von Oscar: Vermittler und Agenten gibt es nicht. Primäre Schnittstelle zum Kunden ist eine App, „wodurch ein Löwenanteil der normalerweise bei Versicherern entstehenden Kosten eingespart werden kann“, berichten die Foren. Und weiter: „Im Krankheitsfall hilft die App bei einer ersten vorsichtigen Deutung der Symptome, worauf binnen Minuten der Anruf des diensthabenden Arztes folgt. Der Versicherte kann im Vorfeld des anstehenden Arztbesuches sogar direkt über die App Bilder seiner Symptome hochladen, um die Diagnose zu vereinfachen.“
Weitere Anwendungen sind möglich, zum Beispiel erinnert die App an anstehende Vorsorgeuntersuchungen.

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