Deutschland: Kein Land der Eigentümer

Sachwerte von Michael Fiedler

Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ist die Eigenheimquote in Deutschland eher gering. Welche Ursachen das hat und wo regionale Unterschiede bestehen.

Trondheim

In Norwegen beträgt die Eigenheim-Quote 84,4 Prozent. Fotolia /Nikolai Sorokin

In kaum einem anderen europäischen Land ist die Wohn-Eigentumsquote so gering wie in Deutschland. Hierzulande beträgt der Anteil an Wohnungen, die vom Eigentümer selbst bewohnt werden, gerade einmal 52,5 Prozent. In Norwegen und Polen hingegen leben über 80 Prozent der Bevölkerung in den eigenen vier Wänden. In Tschechien und Spanien ist die Quote nur geringfügig niedriger.
Auch Frankreich, Niederlande oder Großbritannien können eine Quote von mehr als 60 Prozent aufweisen (siehe Tabelle).
Nur in der Schweiz gibt es weniger Wohneigentum als in Deutschland.

 

Wohneigentum im europäischen Vergleich
LandWohneigentumsquote
Norwegen84,4 Prozent
Polen83,5 Prozent
Tschechien78,9 Prozent
Spanien78,8 Prozent
Italien73,1 Prozent
Luxemburg72,5 Prozent
Belgien72 Prozent
Schweden69,3 Prozent
Niederlande67 Prozent
Frankreich65 Prozent
UK64,4 Prozent
Dänemark63,3 Prozent
Österreich57,2 Prozent
Deutschland52,2 Prozent
Schweiz44 Prozent

 

Ursachen der niedrigen Eigenheimquote

Der Immobilienberater Hausgold führt die Unterschiede auf historische und nationale Besonderheiten zurück. Etwa die ausgeprägte staatliche Förderung von Wohneigentum in den Niederlanden oder die großzügige Vergabe von Baudarlehen in Spanien.
Südosteuropäische Staaten hätten nach dem Ende des Sozialismus flächendeckende Privatisierung betrieben, was sich heute in den hohen Eigentumsquoten niederschlägt.

Nachdem in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Millionen von Wohnungen fehlten, reagierte der deutsche Staat, indem er den sozialen Wohnungsbau mit Zuschüssen, Bürgschaften und der Möglichkeit zu Abschreibungen für Bauherren förderte. Mehr als in anderen Ländern wurde in Mietobjekte investiert, so Hausgold.

  Und während Deutsche bei großen Investitionen eher vorsichtig und auch als Mieter zufrieden sind, hat Wohneigentum in anderen Ländern einen anderen Stellenwert. Im angelsächsischen Raum beispielsweise gilt das eigene Heim viel mehr als Statussymbol.  

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