Banken finanzieren Immobilien gerne

Sachwerte von Stefan Terliesner

Immobilienfinanzierung: Das Geschäftsklima verbessert sich deutlich. Eine Abkühlung durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist weder gravierend noch anhaltend.

Finanzierung von Projektentwicklungen punktet vor allem das Wohnsegment

Finanzierung von Projektentwicklungen punktet vor allem das Wohnsegment. Fotolia / Martin Debus

Das Geschäftsklima der Immobilienfinanzierer in Deutschland hat sich deutlich verbessert. Gemessen am BF.Quartalsbarometer erhöhte sich die Finanzierungsbereitschaft der Banken von 0,52 auf 2,05 Punkte. Je höher der Wert, desto besser ist die Versorgung der Immobilienwirtschaft mit Krediten. Die Messgröße wird von Bulwiengesa erarbeitet und jetzt von BF.direkt, einem Spezialisten für die Finanzierung von Immobilienprojekten, veröffentlicht.

Tendenz zu höheren Risiken

Laut Pressetext von BF.direkt wird die Gesamtzahl aus verschiedenen Einzelwerten errechnet. Verbessert habe sich im vergangenen Quartal die Beurteilung der Neugeschäftsentwicklung. Insgesamt 50 Prozent der befragten Finanzierer erwarten ein ansteigendes Neugeschäft (+6,5 Prozentpunkte), heißt es in der Mitteilung. BF.direkt erkennt auch „eine Tendenz zu höheren Risiken“. Gegenüber der vorausgegangenen Erhebung habe der ‚Wunsch nach einem großen Neugeschäftsvolumen‘ (+2,5 Prozentpunkte) und die ‚Maximierung von Ertrag und Rendite‘ (+1,1 Prozentpunkte) zugenommen. Gleichzeitig würden die Banken die Verwendung der Kredite für den Deckungsstock, für die sehr strenge Vorgaben bestünden, als weniger wichtig eingestuft (-2,5 Prozentpunkte).

Zu dieser Verschiebung passe auch eine verstärkte Finanzierungsaktivität bei Nischenimmobilien. Bei den Fragen zur Finanzierung von Bestandsimmobilien falle auf, dass Nischensegmente wie Parkhäuser (+1,2 Prozentpunkte), Hotels (+ 0,8 Prozentpunkte) und Sozialimmobilien (+0,6 Prozentpunkte) häufiger genannt würden. Stärker nachgefragt seien auch Finanzierungen für Mikro-Apartments – und zwar sowohl für den Bestand (+1,2 Prozentpunkte) als auch für Projektentwicklungen (+2,5 Prozentpunkte).

Wohnsegment im Fokus

Bei der Finanzierung von Projektentwicklungen punktet vor allem das Wohnsegment. Im letzten Quartal habe BF.direkt einen Abfall beobachtet, der auf die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie zurückgeführt werden könne. Die Auswirkungen seien aber nicht gravierend und anhaltend. Die Richtlinie wird von Banken scharf kritisiert. Einige Bundesländer drängen auf eine Reform.

Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg und wissenschaftlicher Berater des BF.Quartalbarometers, kommentiert: „Diese deutliche Erholung des Gesamt-Barometerwerts wird auch von mehreren Makro-Faktoren beeinflusst. Einerseits haben sich viele Befürchtungen nach dem Brexit-Votum, die vor drei Monaten vielleicht noch die Stimmung gedämpft haben, in den seither vergangenen Monaten nicht erfüllt. Ein weiterer positiver Faktor ist, dass bis Ende März 2017 keine Änderung des „Quantitative Easings“ der EZB zu erwarten ist, da das aktuelle Programm bis dahin läuft. Dies führt dazu, dass die Finanzierer für die kommenden Monate gut planen können und am Markt die sehr positive Einschätzung der Geschäfte – zumindest bis zum Jahresende – vorherrscht. Eher dämpfend wirken bevorstehende Regulierungsmaßnahmen. In Deutschland werden derzeit makroökonomische Instrumente vorbereitet, mit denen der Gesetzgeber künftige Immobilienblasen verhindern will. Dies würde natürlich einen substantiellen Eingriff in die Immobilienfinanzierung bedeuten.“

Mehr als 120 Experten wurden befragt

Zur Ermittlung des BF.Quartalsbarometers seien über 120 Experten befragt worden, die größtenteils direkt mit der Vergabe von Krediten an Immobilienunternehmen betraut sind. Der Wert des BF.Quartalsbarometers setze sich aus verschiedenen Bestandteilen des Fragebogens zusammen. Zu den analysierten Komponenten gehörten die Einschätzung zur Veränderung der Finanzierungsbedingungen, der Entwicklung des Neugeschäfts, der Höhe der gewährten Kredittranchen, der Risikobereitschaft der Finanzierung nach Assetklassen, der Höhe der LTV-/LTC-Werte, der Entwicklung der Margen, der Bedeutung alternativer Finanzierungsmöglichkeiten und der Entwicklung der Liquiditätskosten.

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