Notenbanken treiben globale Verschuldung in die Höhe

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Der Schuldenberg der Industrieländer erreicht ungekannte Höhen. Kündigt sich eine neue Finanzkrise an?

Mario Draghi

Spricht heute vor dem Bundestag: Mario Draghi /procontra

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken lässt die globale Verschuldung rasant steigen. Dies berichtet die Börsen-Zeitung und bezieht sich dabei auf den jüngsten Schuldenmonitor des Institute of International Finance (IIF). Allein im ersten Halbjahr 2016 sei der globale Schuldenberg über alle Sektoren hinweg (Staaten, Unternehmen, Privathaushalte) um mehr als 10 Billionen US-Dollar auf inzwischen 216 Billionen US-Dollar gewachsen. Das entspreche 327 Prozent der Wirtschaftsleistung. In den Industrieländern sei die Marke von 400 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) beinah erreicht. Sie liege damit 50 Prozent höher als vor zehn Jahren.

Aufbau von Überkapazitäten

Gefährlich sei die Entwicklung nach Meinung des IIF deshalb, weil das Geld entweder in Sektoren mit Überkapazitäten fließt oder an der Realwirtschaft vorbei. Das beschwöre die Gefahr einer neuen Finanzkrise herauf, berichtet die Zeitung. Die Politik der Notenbanken ermutige Staaten, Investoren und Unternehmen zur Aufnahme immer neuer Kredite. In den Industrieländern steige die Verschuldung vor allem auf Betreiben der Regierungen. Dies sei innerhalb Europas vor allem in Portugal, Spanien, Italien und Großbritannien der Fall. Besonders stark sei der Schuldenberg im Verhältnis zum BIP auch in Australien und Japan gewachsen. Die deutsche Regierung sei weltweit fast die einzige, die keine neuen Schulden macht.

Kleine Gruppen haben einen Organisationsvorteil

Auf globaler Ebene findet die eigentlich nach Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 von den zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländern (G20) versprochene Entschuldung nicht stattgefunden. Die IIF-Zahlen bekräftigen die Vermutung zahlreicher Beobachter, dass die Niedrigzinsphase noch etliche Jahre andauern wird. Hohe Zinsen würden vielen Staaten budgetmäßig das Genick brechen. Insgeheim hoffen einige Regierungen wohl auf eine hohe Inflation und/oder einen Schuldenerlass irgendwann. Ein Abbau der Schuldenberge via Tilgung und Rückzahlung setzt Strukturreformen voraus, zu denen viele Regierungen nicht bereit sind. Strukturreformen - zum Beispiel zum Abbau der oft immens hohen Jugendarbeitslosigkeit - wären zwar mittel- und langfristig für die Allgemeinheit vorteilhaft, kurzfristig aber für einzelne Interessengruppen mit Nachteilen verbunden. Kleine Gruppen lassen sich nun mal besser organisieren und „auf die Straße bringen“. Das schreckt wiederwahlorientierte Politiker ab. Daher dürften auch die neuerdings von EZB-Präsident Mario Draghi öfter und lauter zu hörende Mahnung, die Regierungen der Euro-Länder sollten endlich ihre Hausaufgaben machen, tatenlos verhallen. Heute spricht Darghi vor dem Bundestag und stellt sich dort auch den Fragen der Abgeordneten.

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