Deutsche überschätzen ihr Finanzwissen

Investmentfonds von Martin Thaler

Viele Deutschen schätzen ihre Finanzbildung als überdurchschnittlich hoch ein - wollen ihr Wissen aber dennoch weiter ausbauen. Für Finanzberater eine gute Möglichkeit, in den Dialog zu kommen.

Selbstüberschätzung führt zu unrealistischen Erwartungen, warnt Achim Küssner, Geschäftsführer der Schroder Investment Management GmbH.

Selbstüberschätzung führt zu unrealistischen Erwartungen, warnt Achim Küssner, Geschäftsführer der Schroder Investment Management GmbH. Foto: Schroder

Gefragt nach ihrem Finanzwissen geben sich viele Deutsche sehr optimistisch. Doch leider hält diese Selbsteinschätzung der Realität kaum stand. Zu diesem Schluss kommt der zweite Teil der „Schroders Global Investor Study 2016“, in deren Rahmen 20.000 Privatanleger in 28 Ländern, darunter Deutschland, befragt wurden.  

Der Studie zufolge erklärten 57 Prozent der Deutschen, sich überdurchschnittlich gut in der Finanzwelt auszukennen. 18 Prozent gaben zudem an, ihr Wissen sei absolut ausreichend. Gefragt nach den Aufgaben eines Vermögensverwalters wussten allerdings nur 39 Prozent die richtige Antwort. Damit bilden sich in Deutschland die Ergebnisse der globalen Studie nahezu eins zu eins ab.  

So gab auch ein Großteil der Deutschen an, ihr Finanzwissen weiter ausbauen zu wollen: 83 Prozent erklärten dies. Um sich weiteres Wissen anzueignen, suchten 38 Prozent der Befragten unabhängige Finanzseiten auf, 34 Prozent konsultierten einen Finanzberater und 31 Prozent besuchten Online-Schulungen und Seminare.  

Selbstüberschätzung birgt Risiken

Wenn es um konkrete Investitionsentscheidungen geht, gaben weltweit 49 Prozent aller Über-36-Jährigen an, einen Finanzberater hinzuziehen zu wollen. Bei den sogenannten Millenials waren es mit 51 Prozent sogar zwei Prozent mehr.  

Auch wenn viele Anleger bereit sind, sich professionell beraten zu lassen, berge die Selbstüberschätzung in Finanzfragen gewisse Risiken, urteilt Achim Küssner, Geschäftsführer der Schroder Investment Management GmbH: „Aus der Umfrage geht hervor, dass Anleger dazu neigen, ihre eigenen Anlagekenntnisse zu überschätzen. Zusammen mit anderen Ergebnissen, die zeigen, dass Anleger im Hinblick auf die Erträge ihrer Investitionen unrealistische Erwartungen haben, bedeutet dies, dass sie Gefahr laufen, ihre zukünftigen Finanzziele deutlich zu verfehlen.“

Dass sich die Deutschen mehr Finanzbildung wünschen, lässt sich auch aus anderen Studien ableiten. So hatte ein GfK-Studie im Frühjahr ermittelt, dass 84,4 Prozent der Deutschen finden, dass insgesamt mehr Finanzbildung nötig sei. Einen ersten Schritt in diese Richtung ging nun das Bundesland Baden-Württemberg. Hier ist ab diesem Schuljahr erstmals das Unterrichtsfach Wirtschaft flächendeckend verankert. 

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