„Das Schadensregulierungsverbot schmerzt Makler und Versicherer“

Berater Top News von Friederike Krieger

procontra: Kann der Makler nicht im Auftrag des Kunden statt des Versicherers Schäden regulieren?

Segger: Das ist eine weitere Möglichkeit, zumindest in der Haftpflichtversicherung. Der Makler würde sich dann im Auftrag des Kunden an den Geschädigten wenden und den Schaden bearbeiten.

procontra: Kann es dabei Probleme geben?

Segger: Der Versicherer kann natürlich einwenden, dass zu viel bezahlt worden ist oder dass der Kunde gar nicht hätte zahlen müssen oder dergleichen. Wenn man aber vorher mit dem Versicherer abstimmt, dass bis zu gewissen Beträgen eine Regulierung durch den Kunden beziehungsweise seinen Makler erfolgen kann, dann sollte das funktionieren.

procontra: Einige Makler sehen den Ausweg in der Gründung eines Assekuradeurs oder eines Mehrfachagenten. Was halten Sie davon?

Segger: Das ist eine Lösung für die wirklich großen Makler. Damit machen sie einen Gedanken aus dem BGH-Urteil fruchtbar, wonach es Versicherungsvertretern, also auch Mehrfachagenten, möglich ist, die Schadensregulierung für den Versicherer zu übernehmen, weil sie in seinem Lager stehen.

procontra: Ist diese Lösung rechtlich sauber?

Segger: Ich bin sehr skeptisch, ob das so funktioniert, wie sich die Großmakler das vorstellen. Sie wollen den Kunden weiterhin selbst betreuen und den Mehrfachagenten nur für den Zweck der Schadensregulierung dazwischenschalten. Er darf aber nur dann die Regulierung als Rechtsdienstleistung ausüben, wenn sie in Zusammenhang mit seiner übrigen Tätigkeit steht. Dazu müsste der Mehrfachagent aber die gesamte Betreuung des Kunden übernehmen. Es darf keinen Maklerauftrag für den im Konzern tätigen Versicherungsmakler mehr geben und auch keine Courtage mehr vom Versicherer an ihn fließen. Werden diese Voraussetzungen nicht eingehalten, besteht die Gefahr, dass das Ganze als Umgehungslösung gewertet wird.

procontra: Aber wenn man das beachtet, hat man keine Probleme mehr?

Segger: Die Lösung über den Mehrfachagenten bringt an anderer Stelle wieder Probleme mit sich. Makler, die das Modell konsequent umsetzen und den Kunden komplett in die Betreuung dieses Mehrfachagenten geben, können ihn bei der nächsten Vertragserneuerung nicht mehr so ohne Weiteres zu einem anderen Versicherer umdecken. Anders als bei Maklern gehört der Kundenbestand bei Vertretern nicht dem Vermittler, sondern dem Versicherer. Hier muss noch einiges in der Zusammenarbeit zwischen Makler und Versicherer neu geklärt werden.

procontra: Wer verliert durch das Schadensregulierungsverbot mehr, Makler oder Versicherer?

Segger: Es schmerzt beide. Makler und Versicherer sitzen in dieser Situation im selben Boot, was ja wiederum auch Teil des Problems ist. Die Versicherer sind in großer Unruhe. Bei einer konsequenten Umsetzung des Urteils müssten sie die Schadensregulierung wieder selbst übernehmen. Dafür ist häufig kein Personal da, es müsste erst aufgebaut werden. Das ist heutzutage eine Riesenherausforderung, wo alle großen Häuser Kosten sparen wollen.

procontra: Welchen Maklern tut das Urteil am meisten weh?

Segger: Am stärksten betroffen sind Makler, die sich auf bestimmte Segmente spezialisiert und dort die Schadensregulierung übernommen haben. Denen fehlt es häufig an Größe, um eigene Mehrfachagenten aufzusetzen. Ihnen bleibt dann nur, die Schadensregulierung in die Hände des Versicherers zurückzugeben. Diese Makler verlieren dadurch nicht nur Courtage, sondern auch ihr Spezial-Know-how, mit dem sie sich vom Wettbewerb abheben.

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