„Das Problem ist der ökonomische Analphabetismus der Deutschen“

ZukunftsVorsorge Top News von Julia Groth

procontra: Sind kapitalmarktorientierte Vorsorgeprodukte ein Schritt in die richtige Richtung?

Raffelhüschen: Das kommt darauf an, wie der Rest des Portfolios aussieht. Man darf nie alle Eier in einen Korb legen, das wäre ein gewaltiger Fehler. Wenn man einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, der stark auf Staatsanleihen setzt, sollte man den Rest seines Geldes in Aktien oder Immobilien investieren – und umgekehrt. Wichtig ist, von allem ein bisschen zu haben. Darüber hinaus sollte man schrittweise in ein Investment einsteigen und auch schrittweise wieder aussteigen. Befolgt man diese Regeln, hat man nie Probleme. Auch jetzt nicht.

procontra: Das klingt einfach.

Raffelhüschen: Ja, nicht wahr? Eigentlich ist Vorsorge gar nicht schwierig: Wir haben eine gesetzliche, eine betriebliche und eine private Altersvorsorge. Innerhalb der privaten Altersvorsorge muss man überlegen, wie man investieren will. Der einzige Tipp, den man Menschen geben kann, ist, sich mit der privaten Altersvorsorge mindestens genauso lange zu beschäftigen wie mit dem Kauf eines Autos. Selbst das mit den Eiern und dem Korb haben die meisten Menschen in Deutschland aber noch nicht verstanden. Die private Altersvorsorge in Deutschland macht deshalb kaum Fortschritte. Die Vorsorgelücke wird immer größer.

procontra: Was kann man denn tun, damit die Deutschen endlich vorsorgen?

Raffelhüschen: Man sollte ihnen deutlich machen, dass sie sich informieren müssen. Sie müssen selbst nachschauen, welche Produkte wie refinanziert sind, was wo drin steckt und wie man sein Vermögen aufteilt, wenn man ein bestimmtes Produkt kauft. Die meisten Menschen wissen solche Dinge nicht, sie beschäftigen sich lieber mit dem nächsten Bundesligaspiel. Und Unwissenheit führt zu Ablehnung.

procontra: Sollte der Vertrieb etwas ändern? Er steht besonders oft in der Kritik.

Raffelhüschen: Der Vertrieb lebt davon, dass er etwas vertreibt. Das ist grundsätzlich nichts, was man kritisieren müsste. Kritik am Vertrieb ersetzt nicht die Eigeninitiative. Natürlich wird ein Vertrieb immer Geld verdienen wollen, und zwar so viel wie möglich. Das weiß man aber auch. Anleger sollten deshalb immer Angebote vergleichen. Wer glaubt, dass ein Bäcker mit dem Verkauf von Brötchen kein Geld verdienen will, dem ist nicht zu helfen.

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