Berufsunfähigkeit: „Die Bedingungen sind das Ventil“

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Die Berufsunfähigkeitsversicherung in ihrer heutigen Prägung wird es in drei Jahren nicht mehr geben, sagt Claus-Dieter Gorr, Chef von Premium Circle. Woran das liegt und was Vorstände tun, um die Versicherungsbedingungen klarer zu gestalten.

Claus-Dieter Gorr, Chef von Premium Circle

Claus-Dieter Gorr, Chef von Premium Circle Bild: procontra

„Jahrelang hat sich die Branche mit Sternchen und Buchstaben selbst beweihräuchert, statt für Schutzbedürftige transparente und nachvollziehbare Leistungsbeschreibungen zu entwickeln“, so Claus-Dieter Gorr gegenüber procontra. Gorr sprach auf dem VorsorgeFachForum vor etwa 300 Vermittlern in Neuss und rief eindringlich zu neuen Denkansätzen in der Arbeitskraftabsicherung auf. Denn in Berlin bestünden bei einigen Entscheidungsträgern Zweifel, dass die Versicherungswirtschaft ihrer verantwortungsvollen Rolle gerecht werden könne.

„Wir lehnen nicht ab, wir legen ab“

Worin bestehen die Probleme im BU-Bereich? Gorr zitiert einen Vorstand: „Wir lehnen nicht ab, wir legen ab.“ Denn der Versicherte könne die geforderten Nachweise und Gutachten nicht erbringen. Grundlage dafür seien die Bedingungswerke der Versicherer. Dort fehle es an eindeutigen Regelungen, welche Nachweise im Leistungsfall zu erbringen sind. Stattdessen gäbe es eine Vielzahl unklarer Begriffe und schwammiger Formulierungen. 342 davon hat Premium Circle ausfindig gemacht. Gorrs Fazit: Der Schutzbedürftige braucht eine BU heute vor allem damit er klagen kann.

Schutzbedürftige? Gemeint ist der Versicherungsnehmer. Nach Ansicht von Gorr ist die Bezeichnung „Kunde“ zu anonym. Zudem drücke sich in diesem Wort vor allem eine Käufer-Verkäufer-Beziehung aus. Im Wort „Schutzbedürftiger“ hingegen schwinge auch die Verantwortung mit, die der Makler gegenüber seinem Mandanten habe. Auch für Makler und Versicherer schlägt Gorr neue Begriffe vor: Auswahlbeauftragter (Makler) und Selektiver Risikoträger (Versicherer).

BU braucht mehr temporäre Ansätze

Auch auf Produktebene müssten grundlegende Änderungen geschaffen werden. Gorr meint, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung der Zukunft stärker auf temporäre Ansätze setzen wird. Zu unterschiedlich seien die Bedürfnisse der Altersgruppen. Er könne sich vorstellen, dass eine BU in Zukunft mit der Option verkauft wird, sie ohne erneute Gesundheitsprüfung in einen Tarif für die nächste Altersgruppe mitzunehmen, so Gorr gegenüber procontra.

Premium Circle wird die Ideen zur neuen Berufsunfähigkeitsversicherung auch in Stuttgart am 27. September auf dem VorsorgeFachForum vorstellen.

Podiumsdiskussion: „Die Bedingungen sind das Ventil“

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