Zielgruppe mit verdecktem BU-Bedarf: Kammerberufler

Berufsunfähigkeit von Sebastian Wilhelm

Über Versorgungswerke abgesicherte Berufe wie Ärzte, Anwälte oder Steuerberater genießen meist viel weniger Schutz, als sie denken. Für Makler, die über die Risiken aufklären, liegen hier große Chancen.

Quelle: Fotolia/Andrey Kuzmin

Mit einer berufsständischen Versorgung assoziieren die meisten Bundesbürger und auch Makler vor allem: Privilegien. Immerhin sind es keine Geringverdiener, die über Versorgungswerke für den Ruhestand, eine Berufsunfähigkeit und die Hinterbliebenen im eigenen Todesfall vorsorgen können. Über 64 Prozent dieser Kammerberufler kommen auf ein Jahreseinkommen von mehr als 80.000 Euro, gut jeder fünfte verdient sogar über 120.000 Euro. Entsprechend üppig müssen dann ja wohl die Versorgungsleistungen ausfallen – denken die Kammerberufler selbst wie auch die meisten Makler. Doch das stimmt nicht ganz. Zwar kann sich die Altersversorgung durchaus sehen lassen; 2013 beispielsweise überwies die Nordrheinische Ärzteversorgung ihren Ruheständlern im Schnitt 2.853 Euro pro Monat. Doch vor allem in der BU-Vorsorge klaffen riesige Schutzlücken, die den Kammermitgliedern im Regelfall gar nicht bewusst sind.

Es liegt an der verbreiteten Fehlwahrnehmung einer Rundum-Premium-Absicherung durch die Versorgungswerke, dass viele Makler diese Zielgruppen gar nicht erst ansprechen. Tun sie es doch, bekommen sie häufig in etwa zu hören: „Ich bin doch im Versorgungswerk, daher brauche ich keine private Absicherung.“ Diesen Irrtum können und sollten Makler jedoch aufklären. Das erfordert etwas Vorarbeit, denn es gibt in Deutschland 89 Kammersatzungen, die infrage kommen können. Es lohnt sich allerdings, sich mit den jeweils relevanten Regelungen vertraut zu machen, denn das Ausmaß der Schutzlücke – und damit auch das Vertriebspotenzial – ist beträchtlich.

Doch um welche Berufe geht es überhaupt? Als „kammerfähig“ gelten im Wesentlichen elf freie Berufe:

  • Ärzte
  • Zahnärzte
  • Tierärzte
  • Anwälte
  • Apotheker
  • Steuerberater/-bevollmächtigte
  • Wirtschaftsprüfer/Buchprüfer
  • Notare
  • Architekten
  • Ingenieure (teilweise)
  • Psychologische Psychotherapeuten (teilweise)

 

Wer einen dieser Berufe selbstständig ausübt, wird automatisch Pflichtmitglied im jeweiligen regionalen Versorgungswerk. Angestellte können sich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen und ebenfalls Kammermitglied werden, was fast alle auch tun. Insgesamt beläuft sich die Zielgruppe auf rund 900.000 Personen, von denen eine Vielzahl aufgrund von Umzügen in mehreren Versorgungswerken Mitglied sind.

89 Satzungen durcharbeiten? Gar nicht nötig!

Eine Versorgungswerk-Satzung ist alles andere als eine leichte Lektüre. Dennoch sollten Makler wissen, was für den avisierten Kunden jeweils gilt. Die BU-Regelungen unterscheiden sich von Kammer zu Kammer – gemeinsam ist ihnen nur, dass sie weit vom Schutzniveau einer heutigen privaten BU-Police entfernt sind. Man kann sie eher als „berufsbezogene Erwerbsunfähigkeitsversicherung“ begreifen. Die Zahl der anerkannten BU-Leistungsfälle ist folglich verschwindend gering: Laut Bundesärztekammer kamen beispielsweise 2015 auf 365.200 praktizierende Ärzte ganze 2.467, die BU-Leistungen erhielten. Das entspricht einer Quote von weit weniger als 1 Prozent. Schwer zu glauben, dass wirklich so viele Ärzte tapfer bis zur Rente durchhalten, während insgesamt jede fünfte Frau und jeder dritte Mann vor dem Rentenalter aufgeben muss. 

Die Hürden vor der Anerkennung als BU-Leistungsfall liegen also unverhältnismäßig hoch. Und das sollten Makler den Zielgruppen klarmachen. Sich in die Tiefen der Satzungen zu begeben, ist dafür gar nicht nötig, denn das hat das Unternehmen GINKGO|CONCEPT bereits erledigt. Die Analysten werten Versorgungswerk-Satzungen aus und stellen das vertriebsrelevante Wissen den Maklerpartnern der Allianz Lebensversicherungs-AG aggregiert zur Verfügung. So können sich die Makler relativ schnell und bündig über die jeweiligen Ansprüche und Lücken informieren – und ihren Kammerberufler-Kunden schwarz auf weiß deren tatsächliche Absicherungssituation verdeutlichen. Die Einsicht in privaten Vorsorgebedarf ergibt sich dann von allein.

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