Zielgruppe Arzt: „Ich bin doch im Versorgungswerk“

Berufsunfähigkeit von Michael Fiedler

„Ich bin doch im Versorgungswerk“ – diesen Einwand kennen Makler, wenn sie einen Arzt auf Arbeitskraftabsicherung ansprechen. Wie Makler zum „Versorgungswerk-Übersetzer“ werden.

Arzt Versorgungswerk

"Ich bin doch im Versorgungswerk" - Worauf Makler achten sollten, wenn sie die Zielgruppe Arzt ansprechen. Fotolia / bruno135_406

In Deutschland gibt es 900.000 beitragszahlende Mitglieder in Versorgungswerken. Auf die Zielgruppe „Ärzte“ entfallen insgesamt 365.200 Berufstätige. Laut Statistik der Bundesärztekammer (BÄK) teilte sich die Zahl 2015 wie folgt auf:

  • Niedergelassene Ärzte: 121.600
  • Angestellte Ärzte: 26.300
  • Klinikärzte: 186.300

77.888 Personen erhielten 2015 Leistungen aus den Versorgungswerken für Ärzte. Die große Mehrheit (75.421) aufgrund von Ruhestand. Die Zahl der Leistungsempfänger wegen Berufsunfähigkeit liegt hingegen bei 2.467.
Allein diese Zahl zeigt auf, dass die Leistungshürden bei Versorgungswerken offenbar recht hoch sind. Über alle Berufsgruppen hinweg wird jede fünfte Frau und jeder dritte Mann vor Eintritt des Rentenalters berufsunfähig.
Warum sollte das bei Ärzten anders sein? Schließlich zählen sie sogar zu den Risikogruppen: Ihre Arbeitszeit ist wesentlich länger als im Bundesdurchschnitt. Einer Umfrage des Marburger Bundes zufolge, arbeitet die Hälfte der befragten Klinikärzte zwischen 49 und 59 Stunden pro Woche. Ein Viertel der Befragten gab an, bis zu 80 Stunden wöchentlich zu arbeiten.

2014 ermittelte der KBV-Ärztemonitor, dass Hausärzte durchschnittlich 55,7 Arbeitsstunden pro Woche leisten.
Je nach Tätigkeitsbereich kommen für Ärzte auch Bereitschafts- und Wochenenddienste hinzu. Und Überstunden, emotionale Belastung, Schichtdienste sind Stressfaktoren, die Depressionen und Burnout-Symptome begünstigen.

Bedarf in Sachen privater Arbeitskraftvorsorge ist also gegeben. Und wie Zahnärzte, die eine eigene Praxis unterhalten, tragen auch bestimmte Ärzte unternehmerische Risiken.

Braucht es aber private Vorsorge, wenn doch ein Versorgungswerk vorhanden ist?

„Unbedingt“, sagt Lars Christiansen, der mit seiner Firma GINKGO|CONCEPT die Besonderheiten der 89 Kammersatzungen analysiert hat.
Sein Rat: Makler sollten zum Versorgungswerk-Übersetzer werden. Dafür sei es wichtig, auf die wesentlichen Merkmale des jeweiligen Versorgungswerkes hinzuweisen:

  • Voraussetzung Berufsunfähigkeit = Die Möglichkeit, Erwerbseinkünfte zu erzielen, muss umfassend verloren sein.
  • Vertretungsregelungen: Werden Praxisvertretungen bei BU akzeptiert oder sind sie nicht geduldet?
  • Ist eine Aufgabe der Tätigkeit Leistungsvoraussetzung?
  • Sieht die Satzung ein befristetes Anerkenntnis vor?
  • Wer stellt den Gutachter?
  • Führt der Status „arbeitssuchend“ zur Leistungseinstellung?
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