LVRG schwächt Altersvorsorgegeschäft

Berater von Michael Fiedler

Nüchterne Bilanz: Seit zwei Jahren ist das LVRG in Kraft. Makler sehen vor allem die private Altersvorsorge geschwächt, ergab eine aktuelle Umfrage.

Jürgen Riemer

„Abschlussprovisionen wurden stärker gesenkt als Bestandsprovisionen im Gegenzug erhöht wurden“, bilanziert Jürgen Riemer, Vorstand der maklermanagement.ag. Bild: maklermanagement.ag

Das Lebensversicherungsreformgesetz hat nicht zu mehr Fairness und Gerechtigkeit für die Verbraucher geführt – so sehen es 73 Prozent der für eine Erhebung befragten Makler. Aus Maklersicht konnte das LVRG auch keine bessere Vergleichbarkeit von Produkten herstellen (77 Prozent). Laut Online-Befragung „Vermittler-Puls 2016“, die die maklermanagement.ag bei YouGov in Auftrag gegeben hatte, können 82 Prozent der Makler nicht bestätigen, dass das LVRG Altersvorsorgeprodukte für Verbraucher wieder attraktiv gemacht habe.

LVRG macht Altersvorsorge unattraktiv

Die Mehrheit der Befragten (60 Prozent) gibt an, dass das Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten durch das LVRG für Makler unattraktiver geworden ist. Dementsprechend gehen die meisten Befragten (60 Prozent) von einem abnehmenden Geschäft mit Lebens- und Rentenversicherungen aus. In Maklerbüros mit mehr als vier Mitarbeitern hat jeder zweite Befragte diese Erwartung. Deutlich pessimistischer sind allein arbeitende Makler. Von ihnen rechnen 64 Prozent mit rückläufigen Umsätzen.

Fokus verschiebt sich auf Biometrie

Jeder zweite Makler beklagt, dass sich das Absatzpotenzial von Altersvorsorgeprodukten verschlechtert hat (2015: 39 Prozent). Daher liegt der Vertriebsfokus wie im Vorjahr auf biometrischen Produkten. 41 Prozent der Makler wollen diese Produkte häufiger anbieten (2015: 38 Prozent).
Klassikprodukte verlieren dagegen weiterhin an Bedeutung. 56 Prozent der Makler wollen diese Versicherungen seltener als noch im Jahr zuvor verkaufen (2015: 50 Prozent). „Das LVRG hat den Trend, sich stärker auf die Vermittlung von biometrischen Produkten zu konzentrieren, auch in diesem Jahr weiter beschleunigt“, sagt Jürgen Riemer, Vorstand der maklermanagement.ag.

In diesem Jahr gaben deutlich weniger Makler an, ihren Beratungsschwerpunkt durch das LVRG umgestellt zu haben (41 Prozent, 2015: 61 Prozent). Der Umstellungsprozess ist demnach noch nicht abgeschlossen, verliert aber an Dynamik.
Mit Blick auf zukünftige Vertriebsschwerpunkte gaben 90 Prozent der Befragten an, sich auf Sachversicherungsprodukte konzentrieren zu wollen. Im Zusammenhang mit der geplanten Absenkung des Rechnungszinses zum Jahresbeginn 2017 erwarten knapp 40 Prozent der Befragten bessere Vertriebschancen für Fondspolicen ohne Garantien und 35 Prozent der Makler für alternative Garantieprodukte.
Dem LVRG können einige Vermittler auch positive Effekte abgewinnen. So gab jeder dritte Befragte an, dass sich für ihn die Angebotsvielfalt bei Fondspolicen und neuen Garantie-Produkten verbessert hat.

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