InsurTechs: Versicherer erwarten schwere Zeiten für Vermittler

Digital Meistgeklickt von Michael Fiedler

Klassische Vermittler werden zu den Verlierern der InsurTech-Innovationswelle gehören – davon gehen Versicherer aus, zeigt eine aktuelle Studie.

Jakob Baron

Jakob Baron, Manager bei zeb und Autor der Studie: „Versicherer gehen offenbar davon aus, dass klassische Vermittler gegenüber Aggregatoren und digitalen Maklern Kunden verlieren werden." Bild: zeb

Die aktuelle InsurTech-Studie der Strategie- und Managementberatung zeb untersuchte, wie deutsche Versicherungsunternehmen InsurTech-Trends bewerten und beabsichtigen, darauf zu reagieren. Über 120 Vorstände, Führungskräfte und Experten aus der Versicherungsbranche beteiligten sich an der Studie – gemessen am Beitragsvolumen entspricht das mehr als 80 % des deutschen Versicherungsmarktes, so das Beratungsunternehmen.

Aus Sicht der Versicherer stehen klassischen Vermittlern schwere Zeiten bevor. 56 Prozent der Versicherer denken, dass die Risiken der InsurTech-Welle für Vermittler überwiegen. Studienautor Jakob Baron dazu: „Versicherer gehen offenbar davon aus, dass klassische Vermittler gegenüber Aggregatoren und digitalen Maklern Kunden verlieren werden. Aus unserer Sicht sollten die Versicherer jedoch nicht zu sehr darauf vertrauen, dass das Geschäft künftig im selben Umfang über andere Kanäle kommt. Es gilt vielmehr, vor allem den eigenen Vertrieb zukunftsfest aufzustellen.“

Doch die Studie zeigt auch: Obwohl die befragten Versicherer (74 %) InsurTechs eine hohe Relevanz als Innovationstreiber bescheinigen, beobachtet nur die Hälfte der Versicherer (52 %) den InsurTech-Markt genauer.
Folglich besteht Nachholbedarf bei der Bekanntheit: Zwar sind Vergleichsportale und digitale Makler fast allen Versicherern bekannt. Doch Geschäftsmodelle von InsurTechs, die Versicherer/Vermittler unterstützen, statt zu konkurrieren, fristen dagegen ein „Schattendasein“, so die Studie. Zu solchen Geschäftsmodellen zählen beispielsweise White-Label-Apps für Vermittler, Prozessunterstützungstools und Lösungen im Bereich Schadenmanagement. Von zurzeit über 50 InsurTechs in Deutschland seien den Versicherern nur eine Handvoll Unternehmen bekannt, so zeb.

Chancen werden gesehen – aber nicht umgesetzt

Dass sich durch die Geschäftsmodelle von InsurTechs neue Chancen ergeben, erwarten 73 Prozent der Befragten.
Doch die Unternehmen haben bislang kaum Maßnahmen umgesetzt, um diese Chancen zu realisieren oder den Risiken zu begegnen. Nur 19 % der Studienteilnehmer geben an, InsurTech-Ideen adaptiert zu haben. 17 % der Befragten bejahen, mit InsurTechs zu kooperieren, und 3 % haben Abwehrmaßnahmen umgesetzt.

Stattdessen verlassen sich Versicherer auf Altbewährtes. 91 % geben an, auf ihre bestehenden Geschäftsmodelle zu vertrauen und Innovationen nur dann zu übernehmen, wenn diese sich am Markt durchgesetzt haben. Nur 9 % der Versicherer sehen sich als Innovationsführer.
„Die Versicherer sind zu stark mit ihren internen Themen beschäftigt. Die Verbesserung des Kundenerlebnisses wird dabei fast kampflos den InsurTechs überlassen“, bilanziert Jakob Baron.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare