„Flexi-Rente“ zu kompliziert

Berater von Michael Fiedler

Die „Flexi-Rente“ soll helfen, Teilzeitarbeit und Teilrente besser miteinander kombinieren zu können. Doch die Regelungen seien zu kompliziert, kritisiert der Verband der Rentenberater.

Flexi-Rente zu kompliziert

Die Flexi-Rente sei zu kompliziert, kritisiert der Verband der Rentenberater. Fotolia / pathdoc

Mehr als die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen sei mittlerweile erwerbstätig, was Änderungen beim flexiblen Übergang in den Ruhestand erforderlich macht. So begründet die Bundesregierung den Gesetzentwurf zur sogenannten „Flexi-Rente“.

Kern des Entwurfs ist, die heute geltenden starren Hinzuverdienstgrenzen bei Teilrenten-Bezug aufzubrechen. Stattdessen sollen vom Betrag, der die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro pro Jahr überschreitet, 40 Prozent von der Rente abgezogen werden. Hierzu nennt der Gesetzesentwurf auch ein Beispiel: Bei einem Hinzuverdienst von 18.000 Euro pro Jahr werden 390 Euro von der Grenze abgezogen. Der Betrag, der die 6300-Euro-Grenze überschreitet, liegt bei 11.700 Euro – monatlich sind dies 975 Euro. Bei einer Vollrente von 1.200 Euro läge die Teilrente folglich bei 810 Euro.

„Viele werden Flexi-Rente nicht nutzen“

Dass die Bundesregierung das bisherige starre Teilrentenmodell aufbrechen und flexibles Arbeiten in Rente ermöglichen will, ist auch aus Sicht des Bundesverbandes der Rentenberater e.V. ein Schritt in die richtige Richtung. Doch wird Weiterarbeiten nach Beginn der Altersrente durch die neuen Regelungen attraktiver?
„Leider ist das Gegenteil der Fall“, sagt Marina Herbrich, Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater e.V. „Die vorgeschlagene Abrechnungsmethode wird bei Menschen, die sich ein flexibles Modell wünschen, zu Verunsicherung und Frustration führen. Sie ist so kompliziert, dass viele Menschen abgeschreckt werden und die Flexi-Rente nicht nutzen.“

Ein Problem haben die Rentenberater bei der geplanten „Spitzabrechnung“ ausgemacht. Dabei wird eine Einkommensprognose für das kommende Jahr erstellt, auf deren Basis die Teilrente berechnet und gezahlt wird. Nach einem Jahr wird mit dem tatsächlichen Einkommen verglichen und korrigiert.

„Klingt erstmal gerecht,“ sagt Marina Herbrich, „ist aber völlig unflexibel und kompliziert, sobald auch nur leicht unterschiedlich hohe Einkommen erzielt werden. Dann müssten Rentenbescheide immer wieder aufgehoben werden und Rückzahlungen würden fällig werden. Die Betroffenen müssten dann jedes Mal wieder einen neuen Antrag stellen, unter Umständen jedes Jahr oder sogar monatlich. Das ist dermaßen aufwendig. Das macht doch keiner. Was wir brauchen, ist ein einfaches, anwendbares System und keine komplizierten Regeln.“

Neuberechnungen vermeiden

Aus Sicht des Bundesverbandes der Rentenberater e.V. wäre es sinnvoller, auf die bewährte Praxis aus der Hinterbliebenenrente zu setzen. Hier werden die Renten der Folgejahre zwar aufgrund von Einkommensveränderungen angepasst, nachträgliche Neuberechnungen und Rückforderungen aber weitgehend vermieden. Dass Rentenbescheide für die Vergangenheit aufgehoben werden, komme bei der Hinterbliebenenrente so gut wie gar nicht vor.

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