Eurozone: Deutlich zunehmende Risiken

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FERI-Chefstratege: Schon wieder flüchtet das Kapital aus den Risikoländern. Insbesondere die Banken in Italien bleiben ein Unsicherheitsfaktor. EZB verschleiert die Risiken.

Dr. Heinz-Werner Rapp

Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chefstratege der Bad Homburger FERI Gruppe. Bild: FERI

Vier Jahre nach dem Höhepunkt ihrer Krise zeigt die Eurozone erneut Anzeichen von gefährlichen Verspannungen. Diese sind trotz der extremen Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu erkennen, und zwar an den Target 2-Salden, meint Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chefstratege der Bad Homburger FERI Gruppe.

Lage nur scheinbar stabil

Oberflächlich betrachtet erscheine die Euro-Zone seit vier Jahren wieder stabil. Entscheidend war nach Auffassung von Rapp die Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi im Juli 2012, die Euro-Märkte aktiv abzusichern, „whatever it takes“. Seit diesem Zeitpunkt seien die Risikoaufschläge von Anleihen aller hochverschuldeter Euro-Staaten massiv gesunken. Doch dieses Bild sei trügerisch.

Das unerwartete Brexit-Votum vor vier Wochen habe vielen Marktteilnehmer wieder einen Anlass gegeben, genauer nachzusehen. Das Abstimmungsergebnis habe die Wahrscheinlichkeit für weitere Austritte anderer Länder aus der EU erhöht. Folglich hätten die Risiko-Spreads labiler Länder, wie Italien oder Portugal, ansteigen müssen, ist Rapp überzeugt. Doch das Gegenteil sei eingetreten. „Offensichtlich hat die EZB derart massiv in den Markt eingegriffen, dass jeder Versuch einer realistischen Risikobewertung der Märkte sofort gestoppt wurde“, so Rapp.

Target2-Salden signalisieren Kapitalflucht

Trotz dieser extremen Abdeckung möglicher Marktrisiken durch die EZB zeige die Euro-Zone an anderer Stelle wieder zunehmende Fragilität. So seien die Target2-Salden innerhalb des Euro-Systems erneut auf das Niveau angestiegen, das sie zuletzt in der Hochphase der Euro-Krise 2012 erreicht hatten. „Dieser Anstieg ist Grund zur Sorge, da er wie damals Kapitalflucht aus Risikoländern wie Italien und Spanien signalisiert“, warnt Rapp. Ein wichtiger Auslöser dafür sei die ungelöste Bankenkrise in Italien, aber auch Sorge vor dem Ausgang des Verfassungsreferendums im Oktober.

Nach Ansicht von FERI beschreitet die EZB durch ihre massive Verschleierung tatsächlicher Risiken einen fragwürdigen und zunehmend gefährlichen Weg. „Die Geschichte lehrt, dass echte Probleme immer einen Weg an die Oberfläche finden, seien sie auch noch so gut versteckt“, gibt Rapp zu bedenken. Investoren sollten deshalb, mit Blick auf die Zukunft des Euro und den Zusammenhalt der gesamten Euro-Zone, weiter skeptisch sein.

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