Bestandsaufnahme: Wo steht der deutsche BU-Markt?

Berufsunfähigkeit von Sebastian Wilhelm

Wer sind die Schwergewichte, wie entwickeln sich Eintrittsalter, Rentenhöhe, Berufsgruppenverteilung und Schadensursachen? Unser Marktüberblick klärt auf.

Quelle: Fotolia/Jankovoy

Der BU-Markt in Deutschland ist in Bewegung. Eine Erkenntnis, die erfahrene BU-Makler nicht überrascht. Immerhin jagt ein Tarif-Update das nächste, und ständig wird das Produktangebot rund um die Arbeitskraftabsicherung (AKS) breiter und tiefer. Gegenüber ihren Alternativen ist die BU schon weithin etabliert, doch ihre Entwicklung ist dennoch nicht abgeschlossen, wie die jüngsten Trends zeigen. Die zunehmende Zahl fundierter Ratings von spezialisierten Analysehäusern hat das Ihrige zu dieser Entwicklung beigetragen. In der Konsequenz hat der Bedingungswettbewerb in den letzten Jahren an Schärfe zugenommen, ebenso das Buhlen um die „guten“ Risiken, für die immer mehr Premium-Produkte auf den Markt kommen. Damit geht auch eine immer feinere Berufsgruppendifferenzierung einher, um den individuellen Risiken gerechter zu werden – ein Trend, den manche Marktbeobachter als Vernachlässigung des Solidargedankens brandmarken („Rosinenpickerei“). Eng damit verbunden ist auch eine genauere Risikoprüfung.

Zunächst ein Blick auf die beherrschenden Anbieter und ihre Leistungsfallzahlen. Kaum überraschenderweise ist der deutsche Branchenprimus Allianz auch auf dem BU-Feld mit großem Abstand die Nummer eins. Es folgen Nürnberger, Generali und Axa, wie die folgende Tabelle zeigt.

Die Trends bei Eintrittsalter, Berufsgruppen, Rentenhöhe und Schadensursachen

Dass sich ein früher Einstieg in die biometrische Vorsorge nicht nur in einer längeren Schutzdauer, sondern auch in günstigeren Beiträgen auszahlt, hat sich offenbar herumgesprochen. Dementsprechend hat sich das Eintrittsalter in der SBU bei Männern wie bei Frauen verjüngt, wie die folgende Grafik anhand eines Vergleichs zwischen 1995 und 2013 zeigt.

Ein weiterer großer Trend ist die Verschiebung unter den Berufsgruppen. Die risikoarme Berufsgruppe 1 ist zwischen 2007 und 2012 den anderen Gruppen davongezogen, vor allem bei den Männern. Darüber, welchen Anteil eine großzügigere Einstufung und welchen das vielkritisierte „Rosinenpicken“ daran hat, kann man nur spekulieren.

 

Ein leichter Anstieg lässt sich bei der BU-Rentenhöhe verzeichnen, wenn auch auf niedrigem Niveau. So betrug die versicherte Jahresrente von 2005 abgeschlossenen Verträgen bei Männern im Schnitt 10.076 Euro, bei Frauen 8.400 Euro (Median); zehn Jahre später belief sie sich auf 12.000 bzw. 10.380 Euro. Andererseits hat die Zahl von Spitzen-BU-Renten in Höhe von 48.000 Euro oder mehr deutlich abgenommen.

Bei den Schadensursachen gibt es im Wesentlichen einen Auf- und einen Absteiger. Wie allgemein bekannt, nehmen psychische Erkrankungen als BU-Auslöser zu, vor allem bei den Frauen, wo sie nun – nahe an der 40-Prozent-Marke – mit weitem Abstand die häufigste Ursache stellen. Im Gegenzug verliert der Bewegungsapparat diesbezüglich an Bedeutung. Bei den Männern ging im Jahr 2000 noch fast jeder dritte BU-Fall darauf zurück, 2014 nur noch gut jeder fünfte. Auch in dieser Gruppe liegen nun psychische Erkrankungen mit rund 28 Prozent vorn. Eine Entwicklung, die kongruent zum Berufsgruppentrend (weg von körperlich belastenden Berufen) verläuft. Dazu auch eine weitere interessante Gegenüberstellung: Laut Mikrozensus von 2009 arbeiten in Deutschland 55 Prozent der Erwerbstätigen in „körperlichen“ und 45 Prozent in „sitzenden“ Berufen. Im BU-Versichertenbestand dagegen finden sich 37 Prozent Versicherte mit „körperlichen“ und 63 Prozent mit „sitzenden“ Tätigkeiten.

Das ist der Status quo der Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland. Auf die weiteren Entwicklungen darf man (nicht nur als Makler) gespannt sein.

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