Warum nicht alle „BU-Alternativen“ zweite Wahl sind

Berufsunfähigkeit von Sebastian Wilhelm

Dread-Disease- und Grundfähigkeitspolicen rücken häufig erst in den Vermittlerfokus, wenn der Weg in die BU verbaut oder zu kostspielig ist. Das wird ihnen nicht gerecht.

Quelle: Fotolia/UMB-O

Es hat sich in den Köpfen vieler Makler und Kunden festgesetzt: das Konzept der „BU-Alternative“. Nicht ohne Grund natürlich, denn eine BU sollte jeder abschließen, der berufstätig und auf sein Einkommen angewiesen ist. Die sogenannten Alternativen gelten demgegenüber nicht als obligatorisch und werden demgemäß oft erst in Betracht gezogen, wenn es mit der BU nicht klappt.

Dabei bieten vor allem die Schwere-Krankheiten-Vorsorge (Dread Disease) und die Grundfähigkeitsversicherung jeweils einen Schutzumfang, der ganz unabhängig von einer BU sinnvoll ist und im Fall der Fälle wesentliche Hilfe gewähren kann. Es gilt daher, sich vom Gedanken einer „Zweite-Wahl-Versicherung“ zu lösen und dem Kunden die Vorteile dieser Policen auch als BU-flankierende Maßnahmen näherzubringen.

Schwere Krankheiten: weit mehr als ein (potenzieller) BU-Auslöser

Die Dread-Disease-Versicherung weist zwar mögliche Überschneidungen mit einer BU auf, verfolgt aber einen ganz anderen Ansatz. Leistungsauslöser sind neben Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose, Parkinson oder Leber- und Lungenleiden auch Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Daraus kann jeweils eine Berufsunfähigkeit resultieren, muss aber nicht. Eine BU-Versicherung zahlt jedoch nur in diesem Fall, andernfalls geht der Versicherungsnehmer leer aus.

Im Rahmen der Dread-Disease-Police hingegen erfolgt eine Einmalzahlung schon auf Basis der Diagnose, wenn auch danach noch eine Karenzzeit von 14 oder 28 Tagen überstanden werden muss. Mit dem Geld kann der Betroffene sodann beispielsweise beruflich kürzertreten, sich eine Auszeit zur vollständigen Erholung gönnen oder sinnvolle Umbauten im Haus finanzieren, etwa einen Treppenlift.

Grundfähigkeiten: vor allem für körperlich Tätige wichtig

Auch bei der Absicherung von Grundfähigkeiten gilt: Der Versicherungsfall muss nicht zwangsläufig zu einer Berufsunfähigkeit führen. Und wie bei der Schwere-Krankheiten-Vorsorge ist er prinzipiell leichter feststell- und nachweisbar als eine BU. Büßt der Versicherte eine oder – je nach Tarif – mehrere Grundfähigkeiten wie Sprechen, Sehen, sich Orientieren, Gebrauch der Hände, Gehen, Hören, Sitzen, Stehen, Autofahren, Heben oder Tragen ein, fließt eine monatliche Rente. Diese kann Gold wert sein, wenn keine vollständige bzw. mindestens 50-prozentige Berufsunfähigkeit vorliegt, das Leben aber dennoch merklich beeinträchtigt wird. Neben körperlich Tätigen eignet sich diese Invaliditätsvorsorge auch für nicht berufstätige Personen, etwa Hausfrauen und -männer oder Kinder.

Dieser Abriss zeigt, dass sowohl Dread-Disease- als auch Grundfähigkeitspolicen trotz gewisser Schnittmengen nicht nur als Ersatz für eine BU sinnvoll sind, sondern auch „aus eigenem Recht“. Immer unter dem Schlagwort „BU-Alternative“ gehandelt zu werden, wird ihrer Bedeutung nicht gerecht – dieses Etikett ist lediglich bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung angebracht.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare