Solvency II: Drei Versicherer patzen

Versicherungen von Stefan Terliesner

Die ersten Kapitalquoten unter dem neuen Aufsichtsregime Solvency II weisen erwartungsgemäß auf eine erhöhte Volatilität gegenüber einer Bewertung zu Buchwerten hin. Die Aufsicht zeigt sich zufrieden.

Frank Grund, BaFin

Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: Frank Grund Bild © Ute Grabowsky / photothek.net / BaFin

Von 342 deutschen Versicherern haben zum Jahreswechsel drei die Kapitalanforderung gemäß Solvency II nicht erfüllt. Sie lagen beim so genannten Solvency Capital Requirement (SCR) unter der Marke von 100 Prozent. Seit Anfang des Jahres ist das neue europäische Aufsichtsregime vollständig in Kraft. Die jetzt veröffentlichten ersten Daten zeigen, wie stark sich Preisschwankungen an den Kapitalmärkten auf die SCR-Quoten der Assekuranz auswirken. Dies berichtete die Finanzaufsicht BaFin am Freitag in einer Pressemitteilung. Die Namen der drei Versicherer mit Unterdeckung nennt die Aufsicht nicht; ebenso nicht, aus welcher Sparte sie kommen. Die Unternehmen hätten bereits, wie gesetzlich vorgesehen, Maßnahmen zur Bereinigung der Bedeckungssituation ergriffen.

Risiko Marktpreisschwankungen

Das SCR berücksichtigt alle quantifizierbaren Risiken, denen ein Versicherungsunternehmen ausgesetzt ist. Im aktuellen Marktumfeld stellen Schwankungen an den Kapitalmärkten die bedeutendste Teilrisikoart dar. An zweiter Stelle, aber vergleichsweise deutlich weniger bedeutend, stehen die versicherungstechnischen Risiken, berichtet die BaFin.

Den Angaben zufolge sank die mittlere Bedeckungsquote der Branche von 305 Prozent zum Stichtag 01.01.2016 auf 280 Prozent nach dem ersten Quartal. „Bei den Einzelergebnissen gab es eine relativ große Spannbreite“, teilt die Aufsicht mit. Wie viele Unternehmen Ende März eine Unterdeckung beim SCR aufwiesen, gab die Behörde nicht bekannt. Im August will sich die BaFin zu den spartenspezifischen Ergebnissen äußern. Im Fokus stehen die vom Zinstief gebeutelten Lebensversicherer.

Erst einmal Erfahrungen sammeln

Insgesamt zeigt sich die BaFin mit dem ersten Ergebnissen zufrieden. „Die Branche ist erfolgreich im neuen Regime angekommen“, wird BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund in der Pressemitteilung zitiert. Ähnlich lautet das Fazit des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Lobbyisten betonen aber auch: „Es wird (…) deutlich, dass die Ergebnisse der Unternehmen unter Solvency II je nach Marktentwicklung kurzfristig stark schwanken können – anders als im bisherigen Aufsichtssystem. Erst müssen Unternehmen und Aufsichtsbehörden die Konsequenzen dieser ‚neuen Volatilität‘ richtig einschätzen können. Dann sollte auf europäischer Ebene über Änderungen am Regelwerk nachgedacht werden.“

Bei Betrachtung der Anlageklassen entfällt laut Finanzaufsicht auch unter Solvency II weiterhin der größte Teil auf Anleihen. Direkt gehaltene Aktien und Immobilien nehmen nur einen sehr geringen Anteil am Marktwert der gesamten Kapitalanlagen von rund 1,8 Billionen Euro zum Start von Solvency II ein.

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