BU-Anbietervergleich: Verteuerungsrisiko und Rentensteigerung

Berufsunfähigkeit von Sebastian Wilhelm

Ein unschlagbar günstiger Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mag zunächst für Freude sorgen, ist aber nicht in Stein gemeißelt. Makler sollten prüfen, wie hoch das Risiko einer sukzessiven Verteuerung ist – und wie hoch die Chance auf Rentensteigerungen im Leistungsfall.

Quelle: Fotolia/rcaucino

Wer als BU-Makler schon einige Jahre im Geschäft ist, kennt das Phänomen: Der wegen seines herausstechenden Preis-Leistungs-Verhältnisses häufig ausgewählte Versicherer dreht immer wieder an der Beitragsschraube. Bis die ersten Kunden erbost anrufen und fragen, was für ein Ei der Makler ihnen denn da ins Nest gelegt habe. Das Verhältnis von Prämienhöhe und Leistungen stimmt dann im Marktvergleich schon lange nicht mehr.

Dieses Beispiel aus dem Makleralltag illustriert, dass ein Vergleichsrechner-Ergebnis nicht der Weisheit letzter Schluss ist, sondern nur ihr Anfang. Die qualitative Wertung muss weitere Dimensionen einbeziehen, die für die langfristige Zufriedenheit des Kunden maßgeblich sind. Zwei weitere davon kommen – nachdem im ersten Teil Annahme- und Prozessquote thematisiert wurden – in diesem Beitrag zur Sprache:

Verteuerungsrisiko: Indikator für spätere Nettobeitragssteigerungen

Mit Kampfpreisen Marktanteile zu gewinnen, ist für manche BU-Anbieter verlockend. Das dicke Ende kommt erst nach Jahren: Die Kosten für die eingetretenen Leistungsfälle können irgendwann von den Prämien nicht mehr gedeckt werden, also werden diese angehoben. Alternativ oder parallel dazu wird bei der Leistungsfallprüfung eine härtere Gangart praktiziert, so dass mehr betroffene und eigentlich anspruchsberechtigte Kunden leer ausgehen. Ein Risiko, dass jeder BU-Makler minimieren sollte. 

Hilfreich bei der diesbezüglichen Prognose ist eine Quote, die das Verteuerungsrisiko widerspiegelt. Man teilt dazu die Differenz aus Brutto- und Nettobeitrag durch den Zahlbeitrag. Wie bei den meisten Quoten gilt auch bei dieser, dass sie mehr Klarheit suggeriert, als sie tatsächlich bietet. Sie bildet aber eine wichtige Stütze, die noch mit weiteren Informationen ergänzt werden sollte – am besten mit Maklererfahrung.

Rentensteigerung: Dank Zinseszins mit großer Wirkung

Im Leistungsfall macht es einen großen Unterschied, wie viel Prozent der Versicherer auf die Rente aufschlagen kann. Voraussetzung für eine attraktive Steigerung ist eine entsprechend hohe Überschussbeteiligung. Aufgrund des Zinseszinseffekts sorgt ein halber Prozentpunkt mehr oder weniger für ansehnliche Summen, die der Versicherte obendrauf bekommt – oder eben nicht. Bei einer BU-Rente ab dem Alter von 40 Jahren bis Endalter 65 beispielsweise beträgt der Unterschied zwischen 2 Prozent und 1,5 Prozent Steigerung (ausgehend von 1.500 Euro Monatsrente) über 35.000 Euro.

Zukünftige Überschussbeteiligungen lassen sich schwerlich vorhersagen, gerade wenn man über Jahrzehnte redet; wie die Zinspolitik und die Märkte sich entwickeln, weiß niemand. Daher steht – neben der allgemeinen Finanzkraft eines Anbieters – als Fingerzeig nicht mehr, aber auch nicht weniger als die aktuelle Rentensteigerung zur Verfügung. Sie zeigt, bei welchen Versicherern sich die Leistungsbezieher über die größten Aufschläge freuen können.

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