BU-Anbietervergleich: Annahme- und Prozessquote

Berufsunfähigkeit von Sebastian Wilhelm

Wie lässt sich erkennen, ob ein guter Berufsunfähigkeitstarif auch hält, was er verspricht – oder sogar mehr? Neben der Finanzkraft gibt es einige andere Kennziffern, an denen sich die Qualität eines BU-Anbieters ablesen lässt. Wir stellen heute zwei davon vor.

Quelle: Fotolia/Brian Jackson

Dass man bei der Auswahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch einen Blick auf die Finanzkraft der infrage kommenden Anbieter werfen sollte, wurde bereits in einem anderen Artikel dieser BU-Serie dargelegt. Dieses Kriterium mag das wichtigste bei der Anbieteranalyse sein, das einzig relevante ist es hingegen nicht. Was nützt beispielsweise der günstigste Tarif am Markt, wenn die Hürden vor der Annahme sehr hoch liegen? Oder wenn es häufig gerichtliche Auseinandersetzungen um Leistungsansprüche gibt?

Um BU-Maklern einen Marktüberblick zu geben, werden im Folgenden zwei Dimensionen eines Anbietervergleichs vorgestellt, die in die Tarifbeurteilung einfließen sollten – denn ein Tarif ist immer nur so gut wie die Gesellschaft, bei der man ihn abschließt.

Annahmequote: am besten ausgewogen

Wer einen herausragend günstigen Tarif anbietet, ist darauf angewiesen, dass die Zahl der Leistungsfälle überschaubar bleibt. Häufig wird bei solchen Angeboten daher mit Argusaugen auf den Gesundheitszustand des Antragstellers geblickt. Und in der Folge wird der Daumen entsprechend oft gesenkt, was für den Kunden eine Enttäuschung darstellt (und den Makler prinzipiell nicht gut aussehen lässt). Zwar müssen Versicherer generell ihre Risiken begrenzen und daher die größten aussieben. Doch Rosinenpickerei geht am gesellschaftlichen Auftrag vorbei und führt zu Verdruss bei Kunden und Maklern. Der goldene Mittelweg ist also gefragt. 

Prozessquote: Wie streitlustig sind die Anbieter?

Als Versicherter seine Leistungsansprüche vor Gericht durchsetzen zu müssen, wenn man ohnehin gesundheitlich angeschlagen ist, zählt zu den unschönen Erfahrungen des Lebens. Umso mehr, wenn der zahlungsunwillige Versicherer sich am Ende durchsetzt. Der Ärger über den Makler, der den Anbieter empfohlen hat, ist dann meist groß.

Auf das Risiko, bei einem Versicherer die juristische Keule schwingen zu müssen, gibt die Prozessquote einen Hinweis – auch wenn dieser mit einer gewissen Vorsicht zu genießen ist. Denn zwischen Haupt- und Zusatzversicherungen wird dabei nicht unterschieden. Da es bei Letzteren um deutlich geringere Werte geht, sind Versicherer mit vielen BU-Zusatzversicherungen im Bestand tendenziell weniger in Versuchung, es auf einen Prozess ankommen zu lassen. Nichtsdestotrotz gibt die Prozessquote einen Fingerzeig auf die Leistungsbereitschaft eines Anbieters.

Der nächste Beitrag dieser Serie wird sich zwei weiteren Dimensionen des BU-Anbietervergleichs widmen: dem Verteuerungrisiko und der Rentensteigerung.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare